Dat jibt et überhaupt nicht, daß eine Minister freiwillig weg will. Alle Ministersessel sind mit Pech beschmiert, daran kleben die Minister fest.“ So sprach Konrad Adenauer, noch ehe er Kanzler wurde. Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland scheint ihm fast recht zu geben. Nur vier Bundesminister haben aus freien Stücken ihr Amt zur Verfügung gestellt; zumindest wurden sie, wenn vielleicht auch wider Erwarten, beim Wort genommen.

Der erste war Bundesinnenminister Gustav Heinemann, der sich im Herbst 1950 mit Adenauer überwarf. Er fühlte sich übergangen, weil der Kanzler ohne Konsultation des Bundeskabinetts den Westmächten einen deutschen Verteidigungsbeitrag angeboten hatte. Heinemann wollte eine Wiederbewaffnung nicht mitverantworten, da sie seiner Meinung nach die Wiedervereinigung der Ost- und Westzonen Deutschlands unmöglich machen würde. Freilich blieb er mit seinem Protest allein; kein anderer seiner Kollegen stellte sich dem Kanzler entgegen. Heinemann hatte sich indessen schon vorher vertraglich seine Rückkehr in die Verwaltung der Rheinischen Stahlwerke zusichern lassen. (Es steht auf einem anderen Blatt, daß dann auch daraus nichts wurde.) Nach langen Irrwegen fand er schließlich in den Reihen der Sozialdemokraten eine neue Heimat.

Von anderer Art war der Rücktritt Bundesaußenministers Heinrich von Brentano im Herbst 1961. Brentano war zu der Zeit, als er sein Abschiedsgesuch einreichte, nur noch amtierender Minister. Er kam seiner Entlassung um einige Wochen zuvor, nachdem er erkennen mußte, daß Adenauer ihn der FDP zuliebe auf dem Altar der Koalition opfern wollte. Ohne zu zaudern, akzeptierte der Bundeskanzler das Ersuchen.

Der dritte im Bunde war Bundesjustizminister Ewald Bucher, der im Frühjahr 1965, nicht zuletzt unter dem Druck seiner Parteifreunde, „den Hut nahm“. Er hatte mit seinem Rücktritt gedroht, falls das Bundeskabinett, entgegen einem früheren Beschluß, die Verjährungsfrist für Mordtaten aus der NS-Zeit verlängern sollte. Nur wenn der Bundestag einen solchen Beschluß fassen sollte, wollte er ihn respektieren. Als dies geschah, verlangte die FDP von ihm eine „Demonstration“ – fünf Monate vor der Bundestagswahl. Nach der Wahl kehrte Bucher ins Kabinett zurück, diesmal als Minister für das Wohnungswesen.

Bundeskanzleiminister Ludger Westrick hatte für seinen Rücktritt ähnliche Gründe wie einst Brentano. Auch ihm war der Gedanke unerträglich, eines Tages nach jahrelangen treuen Diensten den Laufpaß zu erhalten.