Für die Sicherheit müßte von der Flugzeugindustrie noch mehr getan werden

Von Andrew Wilson

Der Absturz einer britischen Chartermaschine vom Typ Bristol Britannia (Turbo-Prop) am 1. September in Laibach (Ljubljana), bei dem 95 britische Urlaubsreisende den Tod fanden, macht das Jahr 1966 zu einem der schwärzesten in der Geschichte des Flugverkehrs. Das ist besonders tragisch, weil bis Anfang Januar die Verkehrssicherheit seit vier Jahren stetig zugenommen hatte. Dann kam jedoch das Unglück der Air India am Mont Blanc mit 117 Toten, dem wenige Tage später die Katastrophe der Air Nippon in der Bucht von Tokio mit 133 Toten und im März der Absturz einer Maschine der BOAC mit 124 Toten über dem Fudschijama folgten. Aus einer Verkehrsmaschine DC 3 der privaten spanischen Charterfluggesellschaft Spantax, die am 16. September mit 24 Urlaubern auf dem Weg nach Las Palmas war und auf das Wasser niedergehen konnte, als ein Motor ausfiel, konnten 23 Fluggäste und drei Mann Besatzung von Fischerbooten gerettet werden. Ein Fluggast weigerte sich, das Flugzeug zu verlassen, er versank mit der Maschine.

Diese Abstürze sind besonders erschütternd, weil mit ihnen die Ära dreistelliger Zahlen in den Unfallisten beginnt; und das sind nur drei von den fünfzehn schweren Unglücksfällen, die sich in diesem Jahr schon ereignet haben – fast alle vierzehn Tage einer. Bis zum 1. September sind in diesem Jahr bereits über 940 Menschen einschließlich der Besatzungsangehörigen bei Abstürzen ums Leben gekommen.

Längere Erprobung

Das wichtigste Gebiet, auf dem mehr getan werden könnte, um die Flugsicherheit zu erhöhen, ist die Konstruktion der Flugzeuge selber. In Großbritannien muß jedes neue Flugzeug Hunderte von Flugteststunden ablegen, ehe es von der zuständigen Behörde zugelassen wird. In den Vereinigten Staaten ist die „Federal Aviation Agency“ die verantwortliche Behörde. Trotzdem aber kommen Unfälle vor.

Ein klassisches Beispiel waren Ermüdungserscheinungen der Rumpfhaut an den ersten Maschinen des Typs Comet, deren Aufreißen zu Abstürzen führte, bei denen 99 Menschen den Tod fanden. Ein späterer Fall war das Unglück einer Düsenmaschine Boeing 727 im vorigen November in Salt Lake City, wo nach dem harten Aufsetzen – infolge eines Versagens des Piloten – das – mittlerweile geänderte – Fahrgestell beschädigt wurde. Dabei wurde die Brennstoffzuleitung zerschlagen. Durch das Feuer verbrannten 42 Passagiere. Diese und ähnliche Mängel hätten ohne Verluste an Menschenleben abgestellt werden können, wenn umfangreichere Erprobung und Materialprüfung, also, längere Entwicklungszeiten in der gesamten Industrie üblich wären.