Fünfzig Jahre lang träumte die alte Metropolitan Opera von einem neuen Haus, vierunddreißig Jahre spielte der heute 71jährige Architekt Harrison mit Plänen für diesen Neubau. Als er in den zwanziger Jahren das Rockefeller Center plante, war eine neue „Met“ Mittelpunkt des ersten Entwurfs. In den letzten zehn Jahren verwarf Harrison dreiundvierzig weitere Entwürfe; den vierundvierzigsten durfte er für 45,7 Millionen Dollar im neuen „Lincoln Center for the Performing Arts“ westlich des Centrai-Parks zwischen 60. und 66. Straße, wo die Stadtverwaltung 1960 die Slums dafür niederreißen ließ, ausführen.

Das Lincoln Center bestand bislang aus einem riesigen Platz mit Hochdruckfontänen, Marmorboden und Promenadencafés (Hermann Krawitz, die rechte Hand von Met-Direktor Rudolf Bing, spricht vom „New Yorker Markusplatz“, böse Zungen vom „Supermarkt der Künste“), auf dessen rechter Seite 1962 von Max Abramovitz die Philharmonie Hall, linker Hand 1964 von Philip Johnson das New York State Theatre gebaut wurde. Im Bau, halbfertig, entstehen hinter dem Theater eine Freilicht-Konzertbühne, neben dem Konzertsaal das neue Haus der Juillard School of Music. Ein ganzer Stadtteil erhielt so neue Farbe und modernen Glanz.

Diesen Platz krönt nun das größte und höchste Opernhaus der Welt: die neue Metropolitan Opera. Das vierzehn Stockwerke hohe Bühnenhaus enthält: eine 27 Meter tiefe, acht Etagen hohe Hauptbühne mit einer 17,68-Meter-Drehscheibe, eine 22-Meter-Hinterbühne, rechts und links Nebenbühnen, drei Probebühnen, siebzehn Proberäume, wie in einem Motel Apartments für die Sänger, mit Dusche, Klavier und eingebautem elektronischen Kammerton a.

Der Bühnenmeister kann die gesamte Dekoration für eine dreiaktige Oper vor der Vorstellung aufbauen lassen und die Szenen per Knopfdruck hineinfahren lassen. Das Magazin ist groß genug, um Requisiten für eine ganze Saison mit 25 Werken im Repertoire aufbewahren zu können. Der Orchestergraben von 221 Quadratmeter gibt den 110 Musikern doppelt, die Schreinerei den Kulissenbauern sogar zehnmal soviel Raum wie das alte Haus.

Das neunstöckige Hauptgebäude hat Platz für: ein 30 Meter langes und 31 Meter breites Auditorium mit Rosenholztäfelung, weißen Rängen, goldener Decke und roten Plüschsesseln, wo 3800 Zuschauer pro Tag sieben Millionen Dollar pro Saison einbringen sollen (zum Vergleich: die Oper in Chicago hat 3400 Plätze, das Teatro Colón Buenos Aires 2500, die Grand Opera Paris 2347, Londons Covent Garden 2200, die Scala in Mailand 2135, das Bayreuther Festspielhaus 1800, die Wiener Staatsoper 1620); weiter für drei große Restaurants, eine ganze Reihe von Bars, eine kühn geschwungene Innentreppe, mehrere Foyers und eine Kellergarage für 700 Autos.

Für die Kunst am Bau sorgen: drei Bronzen von Maillol eine „Kniende“ von Wilhelm Lehmbruck (auf deren Sockel an die Zehn-Millionen-Mark-Spende der Bundesrepublik erinnert wird), eine weitere Plastik von Mary Callery, zwei Wandgemälde von Marc Chagall und vier weitere von Raoul Dufy.

Während die technischen Vorzüge der Bühne allgemein gelobt werden, sind die Meinungen über Haus und Ausstattung geteilt.