Ordo, Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, 17. Band; Helmut Küpper Verlag Düsseldorf und München; 496 Seiten, 60,– DM.

Dem juristisch geschulten Denken sind die Grundprinzipien der Marktwirtschaft nicht leicht zugänglich; das zeigt oft genug die namentlich bei Verwaltungsjuristen anzutreffende Skepsis gegenüber dem marktwirtschaftlichen System und ihre Neigung, durch Einbau dirigistischplanwirtschaftlicher Elemente dessen Funktionieren „geschmeidiger“ zu machen oder auch seine Ergebnisse zu korrigieren. Andererseits läßt sich ja wohl – auch hier ohne unzulässiges Verallgemeinern – sagen, daß der (junge) Nationalökonom dem juristischen Denken fast durchweg solange einigermaßen hilflos gegenübersteht, bis er in seiner Praxis mit dem Wesen rechtlicher Konstruktionen allmählich vertraut gemacht wird.

Vermutlich empfinden einigermaßen intelligente Studenten es gelegentlich als einen Mangel, daß sie im üblichen Ausbildungsgang (als Juristen) sehr wenig von den Grundsätzen der Marktwirtschaft und (als Nationalökonom) fast nichts vom Funktionieren des Vertragsrechts erfahren. Wer an dem „geistigen Brückenschlag“ von dem einen zum anderen interessiert ist, dem sei recht eindringlich ein Aufsatz von Professor Franz Böhm empfohlen, rund 75 Druckseiten umfassend, unter dem Titel „Privatrechtsgesellschaft und Marktwirtschaft“ erschienen im 17. Band des ORDO-Jahrbuches.

Aus dem runden Dutzend von Monographien, das (neben einem umfangreichen Literaturteil) den Inhalt des stattlichen Bandes ausmacht, seien die Arbeiten von Ernst Heuss (Nürnberg) und Ludwig M. Lachmann (Johannesburg) besonders erwähnt, in denen – von verschiedenen Ausgangspunkten her – einiges Kritische über das „Modelldenken“ der modernen Theorie gesagt wird. Als „Paradestück“ aber kann wohl der in einer herzerfrischend zupackenden Weise geschriebene Essay Böhms gelten, mit seiner weit ins Historische ausholenden Darstellung des Werdens der modernen staatlich-sozialen Struktur. Um die inneren Zusammenhänge zwischen dem wirtschaftlichen Geschehen und der (Vertrags-) rechtlichen „Kunstlehre“ deutlich zu machen, werden hier die geistesgeschichtlichen, politischen und sozialen Kräfte der Vergangenheit und der Gegenwart – mitunter recht unkonventionell – charakterisiert.

Ganz leicht lesbar ist die Arbeit freilich nicht; für die jüngeren Semester mag die – erfolgreiche – Lektüre zugleich als Test dafür gelten, daß ein fundiertes Allgemeinwissen, wie es dem Akademiker wohl ansteht, bereits vorhanden oder doch in der Bildung begriffen sei... Notabene ist die Studie auch älteren Jahrgängen zu empfehlen, und nicht etwa nur – in irriger Auslegung der guten Ratschläge, die der Rezensent, soeben an junge Juristen und Volkswirte erteilte – dem studentischen Nachwuchs. Von diesem Essay könnten sehr wohl manche Praktiker, die sonst mit den wirtschaftspolitischen Ideen des Professors Böhm nicht immer einverstanden waren, durchaus fasziniert sein. E.T.