Von Ruth Liepman

Ich bin eine literarische Agentin. Das klingt verdächtig und verächtlich. Der große Duden gibt bei „Agent“ an: Geschäftsvermittler, Vertreter, Spion. Ein Spion der Literatur also, der geheime Auftraggeber hat. Diese Auftraggeber sind die Autoren.

Niemals ist der Agent Mäkler. Niemals arbeitet er für beide Parteien, sondern nur für den Autor, dessen Interessen er dem Verleger gegenüber vertritt. Er ist der lange Arm des Autors. Er bekommt auch vom Autor seine Agentenkommission.

Braucht der Autor einen Agenten? Ich meine, ja. Der Autor ist dem Verleger gegenüber immer der Unterlegene. Ich spreche hier in erster Linie von belletristischen Autoren und Verlegern. Aber prinzipiell ist die Situation beim Sachbuchautor, beim Wissenschaftler, beim Jugendbuchschreiber nicht anders.

Nur scheinbar nämlich verhandelt der Autor mit dem Verleger auf gleicher Ebene. Tatsächlich aber ist er, der Autor, der Bittende. Verschämt, unsicher bietet er dem Verleger seine Arbeit an. Er hofft, daß der Verleger sie gut finde, sie annehme, sie in schicklicher Zeit drucke, einen Erfolg daraus mache und ihn, den Autor, bekannt. Für den Autor bedeutet die Entscheidung des Verlegers alles. Der Verleger aber kann das Manuskript annehmen, er kann es aber auch ablehnen. Er entscheidet über den Autor, man möchte beinahe sagen: über sein Leben. Für den Verleger ist der Erwerb eines Manuskriptes von geringerer Wichtigkeit, denn er veröffentlicht zehn, zwanzig, dreißig, fünfzig, hundert Bücher. Der Autor hingegen hat ein einziges, gehegtes Manuskript, an dem er jahrelang gearbeitet hat, oft unter Verzicht auf Lebensnotwendiges.

Nicht nur, weil der Verleger das Manuskript erverben oder ablehnen kann, auch noch aus einem andern Grunde ist er der Stärkere. Schriftsteller sind erfüllt von der Wichtigkeit ihres Werkes und manchmal auch eitel. Es liegt dem Autor soviel daran, gedruckt zu werden, daß er dem Verleger unter Umständen jede Konzession macht. Das kann so weit gehen, daß der Autor dem Verleger Geld anbietet, damit er ihn nur druckt. Seinem Werk gegenüber ist der Autor oft unkritisch, muß es vielleicht sein, denn er ist ihm emotionell zu stark verhaftet. Ich erinnere mich an einen Autor, der mir am Nachmittag sein gerade fertig gewordenes Manuskript gab, mich beschwörend, es in der Nacht zu lesen, ihm aber bitte nicht zu sagen, wenn ich es nicht gut finden sollte. Dieses emotionelle Verhaftetsein verschlechtert aber die Position des Autors als Vertragspartner.

Hier kann der Agent den Autor in vielerlei Hinsicht stützen. Zunächst darin, daß er es übernimmt, den richtigen Verleger zu suchen und dem Autor die geschäftlichen Vereinbarungen abzunehmen. Der Agent ist in einer sehr viel besseren Position als der Autor selber. Er ist nicht in dem Maße emotionell beteiligt, und wenn ihn auch eine Ablehnung grämt, so doch in anderer Weise als den betroffenen Autor.