„Hanseatic“ heimwärts

Die Entscheidung fiel am 10. September um 21 Uhr: Die Bugsier-, Reederei- und Bergungs-Aktiengesellschaft in Hamburg erhielt telephonisch aus New York den Auftrag, die drei Tage vorher im New Yorker Hafen ausgebrannte „Hanseatic“ in ihren Heimathafen an der Elbe zu bringen. Es ist das erstemal in der Geschichte der Seefahrt, daß ein 30 OOO-Tonnen-Luxusschiff quer über den Atlantik geschleppt wird.

Den ganzen Sonnabend hindurch hatte „Hanseatic“-Reeder Axel Bitsch-Christensen mit mehreren Schlepper-Firmen verhandelt. Es ging immerhin um einen Auftrag im Wert von etwa einer halben Million Mark. Kapitän Karl Günter Meyer, Prokurist und Inspektor der Bugsier-Reederei, sagte: „Wir hatten unser Angebot scharf kalkuliert, denn wir wollten unser möglichstes tun, daß die ,Hanseatic‘ von deutschen Hochseeschleppern nach Hause geholt wird. Außerdem konnten wir aber auch besseren Service bieten.“

In der Schiffahrt versteht man darunter: Größe, Ausrüstung, Motorenstärke und Geschwindigkeit der Schlepper, dazu die Erfahrung der Mannschaften. In diesem Spiel konnte die Bugsier-Reederei, die (nach einer holländischen Firma) als zweitgrößtes Bergungs- und Schlepp-Unternehmen der Welt gilt, ihre Trümpfe ausspielen. Von der Nordsee- bis zur spanischen Küste hat sie fast ständig elf Hochseeschlepper auf Station liegen. Sie sind für ihre Leistungsfähigkeit international bekannt.

Bei Alarm sind diese Schiffe Tag und Nacht bereit, innerhalb von zwanzig Minuten auszulaufen. Kein Mann geht an Land, ohne zu sagen, wo er erreichbar ist, keiner entfernt sich weiter als eine Viertelstunde vom Schiff. Der Anreiz, diese Regel strikt einzuhalten: Jedes Mitglied der Besatzung ist am Erfolg seines Schleppers prozentual beteiligt.

220 Tage auf Station

Die Besatzung der „Atlantic“ (mit 5000 PS einer der stärksten Hochseeschlepper der Bugsier) war vom Mai 1965 bis zum Mai dieses Jahres insgesamt 220 Tage „auf Station“. Sechs Bergungsfahrten hat sie in dieser Zeit erfolgreich unternommen, 22 andere Bemühungen waren vergeblich.