Von Rudolf Walter Leonhard

Während diese Woche in Frankfurt die Buchhändler und Verleger ihren Friedenspreis zwei Männern geben, die sich besonders um die Überbrückung von Konfessionsunterschieden verdient gemacht haben; während allenthalben, auf Konzilien und Kirchentagen, in Universitäten und Akademien Gottesgelehrte sich über den Widersinn verständigen, der darin liegt, innerhalb eines von außen immer stärker in Frage gestellten christlichen Glaubens Evangelisches gegen Katholisches auszuspielen, geschieht gerade das Tag für Tag überall in der Bundesrepublik. Mit viel Pathos und wenig Argumenten werden Konfessionsspaltereien dort ausgetragen, wo wir sie uns am allerwenigsten leisten können – in unseren Schulen.

Ein bezeichnendes, aber leider kein einsames Beispiel ist der Hirtenbrief der Bischöfe in Nordrhein-Westfalen, dem sich nur der von Aachen, zu seinem Ruhme sei’s gesagt, nicht angeschlossen hat. In der am 21. August 1966 in Münster veröffentlichten Version heißt es:

„Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

... Eure Kinder sollen später einmal etwas leisten. Sie sollen so tüchtig werden, daß sie auch zu entsprechenden Einkommen gelangen... Darum sind die leistungsfähigsten Schulen, die besten Lehrer für Eure Kinder gerade gut genug ...

Jede Schule gibt sich Mühe, die Kinder gut zu erziehen ... Aber die katholische Schule gibt den Lehrern Möglichkeiten der Erziehung, die eben nur eine Bekenntnisschule zu geben vermag...

Dem Elternrecht entspricht die Elternpflicht, die Pflicht nämlich, den Kindern gute und beste Erziehung angedeihen zu lassen ...