Von Konrad Paschen

Wie kommt die DDR zu ihren erstaunlichen Erfolgen im Sport? Gerade haben wir es wieder erlebt, bei den Europameisterschaften im Schwimmen, in der Leichtathletik und jetzt bei den Weltmeisterschaften im Rudern.

In Utrecht, in Budapest und in Bled zeigte es sich erneut, daß die Sportler der DDR den unseren immer überlegener werden. Wir haben dreimal so viele Menschen und bestimmt nicht weniger Talente. Unsere Sportverbände tun viel in der Förderung der Talente, aber wir beginnen zu spät mit der Talentsuche und überlassen die Talentförderung allein den einzelnen Sportverbänden. Drüben dagegen arbeiten Staat, Partei, Betriebssport und Schule gemeinsam und zusammen an der Förderung des Leistungssports. Eines ihrer wichtigsten Mittel ist die Einrichtung der Kinder- und Jugendsportschulen.

Wir wissen heute, daß besonders für alle Sportarten, in denen Geschicklichkeit eine große Rolle spielt, also für Turnen, Schwimmen, technische Disziplinen der Leichtathletik, alle Spiele, Reiten, Skifahren, Eislaufen und viele andere, die Schulung schon im Kindesalter beginnen muß. Uwe Beyer hat mit neun Jahren seinen „Kinderhammer“ konstruiert und damit ständig geübt. Uwe Seeler spielt Fußball, seitdem er laufen kann. Marika Kilius-Zahn hat mit vier Jahren das Eislaufen begonnen. Kuhweide segelt seit seinem 10. Lebensjahr im eigenen Boot.

Wer erst mit 18 oder 20 Jahren beginnt, erreicht nur in Ausnahmefällen eine volle Beherrschung der „Technik“ und damit Höchstleistungen. Die Russen und die Amerikaner haben das zuerst erkannt. Wir hinken in dieser Erkenntnis weit hinterher.

Da die DDR alle Erfahrungen der Sowjetrussen übernommen hat, ist auch bei ihnen schon sehr früh diese Erkenntnis systematisch in die Tat umgesetzt worden. Nach sowjetischem Vorbild wurden ab 1952 die ersten Kinder- und Jugendsportschulen gegründet, heute gibt es in der DDR davon 21. Viele der heutigen Medaillengewinner kommen aus einer solchen Schule. Es wird also höchste Zeit, daß wir uns mit dieser Einrichtung beschäftigen und ihren Aufbau kennenlernen.

Nach dem „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungswesen“ vom 16. April 1964 sind Spezialschulen vorgesehen, die aber gleichzeitig allgemeinbildende Schulen sind, und deren Aufgabe es ist: „den besonderen Erfordernissen der Nachwuchsentwicklung und -bildung für die Produktion, die Wissenschaft, die Kultur und den Sport gerecht zu werden. Sie bieten die Möglichkeit, besondere Begabungen und Talente frühzeitig zu fördern“. Es gibt daher Musikschulen, Tanzschulen, Sprachschulen und Sportschulen, das heißt allgemeinbildende Schulen mit dem einheitlichen Grundplan und zusätzlicher Fachausbildung. Die Reifeprüfung, die an solchen Spezialschulen abgelegt wird, berechtigt zum Studium in allen Fakultäten.