Jetzt wird die Krise der Marine offenbar – Mangelhafte Seemann schaft und altes Material

Von Alexander Rost

Seine komprimierte Wut suchte ihr Ventil im Zynismus. Was geschieht jetzt mit dem Unterseeboot „Hai“? Man ist dabei, es zu bergen. Es wird nach Helgoland und dann in eine Werft geschleppt. Und dann? „Dann“, sagte er, einer der Offiziere, mit denen wir in diesen Tagen sprachen, „dann wird’s instand gesetzt, damit es zum dritten Male versenkt werden kann.“

An Äußerungen solcher Art herrscht seit dem Unglück an der Doggerbank in der Marine kein Mangel. Ein U-Boot ist untergegangen; und der Unmut, der die Krise kennzeichnet, taucht auf.

Am Montag, dem 12. September, hatte der U-Lehrverband unter dem Kommando von Fregattenkapitän Mahrholz, einem kriegserfahrenen U-Boot-Mann, in Neustadt an der Ostsee die Leinen losgeworfen. Aberdeen in Schottland sollte besucht werden. Der Verband bestand aus dem Tender „Lech“, dem Sicherheitsboot „Passat“ und den U-Booten „Hai“, „Hecht“ und „U 3“. Der Kiel-Kanal wurde passiert. Am Mittwoch, 25 Seemeilen westlich Helgoland, tauchten die U-Boote. Es war ein notwendiges Routinemanöver. In der Nordsee hat das Wasser, salzhaltiger, ein höheres spezifisches Gewicht als in der Ostsee. Die U-Boote mußten entsprechend getrimmt werden.

Ungefähr zwölf Stunden darauf, 150 Seemeilen westlich Helgoland, am nördlichen Rand der Doggerbank, ist das U-Boot Hai etwa um 19 Uhr gesunken. Ein Mann wurde gerettet; 19 starben.

Das U-Boot wurde nicht gerammt. Es hatte keine Tauchpanne. Es fuhr über Wasser. „Noch nie in der Geschichte der Seefahrt ist ein U-Boot bei Überwasserfahrt ohne Feindeinwirkung oder Kollision gesunken“, stellten die Experten alsbald fest. Das Rätsel, das heute fast jedes Unglück auf See aufgibt, wurde noch rätselhafter. Aber die lapidare Feststellung stimmt nicht. In den letzten Monaten des Krieges ereignete sich folgendes: