Bundesaußenminister Schröder setzte in dieser Woche einen neuen Markstein seiner Ostpolitik: Als „Vorreiter“ wurde Staatssekretär Rolf Lahr nach Bulgarien zur Internationalen Mustermesse in Plowdiw entsandt. Immer dann, wenn das Auswärtige Amt neue Brücken in den Ostblock schlagen will, muß dieser bewährte Unterhändler gut Wetter machen.

1964 reiste er insgeheim nach Belgrad (freilich ließ die Normalisierung der Beziehungen bis heute auf sich warten); im vorigen Sommer repräsentierte er die Bundesrepublik auf der Industrieausstellung in Bukarest. Damals säte er, was Wirtschaftsminister Schmücker jetzt erntete. Aber noch ist nicht alles perfekt (Berlin, DDR!), noch sind auch in Bonn nicht alle Widerstände gegen die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Rumänien ausgeräumt.

Die Bulgaren, deren Wünsche Lahr sondieren soll, sind erstaunlich konziliant Sie wollen zum Beispiel nicht, wie jüngst die Tschechen in Brünn, auf der Messe eine Berliner Fahne hissen. Fast ist so etwas wie ein Wettlauf der ehemaligen Achsenpartner nach Bonn im Gange. Lahr sagte schon vor einem Jahr: „Wenn Rumänien nicht unser erster diplomatischer Ostblockpartner außerhalb der Sowjetunion sein wird, so dürfte er doch unter den ersten sein.“

Bisher ist Bonn in Osteuropa nur in Moskau durch einen Botschafter vertreten. Handelsmissionen haben sich in Polen (März 1963), Rumänien (Oktober 1963), Ungarn (November 1963) und in Bulgarien (März 1964) niedergelassen. Nur in Prag hat die Bonner Außenpolitik noch nicht Fuß fassen können.