Im Jahre 1935 entdeckte der Zoologe Professor Konrad Lorenz, heute Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen, Oberbayern, eine seltsame Erscheinung, die er Prägung nannte: Lorenz beobachtete, daß Dohlen, die er mit eigener Hand aufgezogen hatte, später nicht einen Artgenossen, sondern ihren Pfleger anbalzten. Bei anderen Vögeln – so bei Wellensittichen; Enten, Gänsen und Hühnern – fanden Forscher ein ähnliches Verhalten.

Wie stark ist diese Prägung, die Vögel veranlaßt, ein artfremdes Lebewesen einem Artgenossen als Geschlechtspartner vorzuziehen? Diese Frage untersuchte Dozent Dr. Klaus Immelmann vom Zoologischen Institut der Technischen Hochschule Braunschweig.

Immelmann ließ Eier von Zebrafinken durch Vögel einer verwandten japanischen Art ausbrüten. Als die Zebrafinken herangewachsen waren, setzte der Forscher eine Reihe Männchen zu acht Weibchen der eigenen Art und einem Weibchen der japanischen Verwandten. Die Zebrafinken-Männchen umschwärmten das fremde Weibchen, das ihrer Pflegemutter glich, verschmähten indes die Artgenossinnen. Nur wenn die Männchen keine andere Wahl hatten, näherten sie sich schließlich zögernd einem Weibchen der eigenen Art.

In einem Versuch ließ der Forscher Zebrafinken-Männchen drei Jahre lang nur mit Zebrafinken-Weibchen zusammenkommen. In dieser Zeit zogen sie sechsmal Junge auf. Doch auch jetzt noch kümmerten sie sich nur um die fremden Weibchen, sobald sie ihnen begegneten.

Die Prägung, die diese Vögel in ihren ersten Lebenstagen erfahren haben, scheint unauslöschlich zu sein.