Handelte der Kapitän unmenschlich?

-bus, Bremen

Der Libanese Halil Daife hatte Glück in der Morgenstunde. Sieben Stunden lang war er im Mittelmeer getrieben, als ihn endlich griechische Fischer sichteten und an Bord zogen. Seine Geschichte hat Schlagzeilen gemacht. Sie rührte eine ungelöste Frage der internationalen Seeschiffahrt wieder auf: die Problematik des blinden Passagiers.

Halil Daife gab vor griechischen Hafenbehörden auf der Insel Kreta an, er sei am 7. September zusammen mit seinem Landsmann Hakib Elyub in Beirut an Bord des deutschen Frachters „Rudgert Vinnen“ geschlichen, um als blinder Passagier nach Italien zu kommen. Alsbald seien sein Gefährte und er jedoch von der Mannschaft entdeckt worden. Der Kapitän habe zunächst versucht, seine ungebetenen Gäste in Alexandria wieder von Bord zu schaffen, doch hätten die ägyptischen Behörden sie nicht an Land gehen lassen.

Daraufhin seien sie auf hoher See vor Kreta vom Kapitän gezwungen worden, Schwimmwesten anzulegen und über Bord zu springen. Halil Daife sei noch ungefähr zwei Stunden zusammen mit seinem Landsmann geschwommen, dann habe eine Welle sie jedoch getrennt. – Da eine sofort eingeleitete Suchaktion nach dem vermißten Libanesen bisher erfolglos blieb, muß angenommen werden, daß Hakib Elyub ertrunken ist.

Als die „Rudgert Vinnen“ in Piräus, ihrem nächsten Bestimmungshafen, einlief, wartete die griechische Polizei bereits am Kai. Der deutsche Kapitän wurde verhört. Er schilderte das Geschehen an Bord seines Schiffes sehr viel anders. Vor allem bestritt er jede Zwangsmaßnahme. „Wir sind keine Mörder; wir haben den Menschen geholfen“, erklärte der Kapitän nach den ersten Vernehmungen. Nach seinen Angaben haben die Libanesen ihn angesichts der kretischen Küste händeringend gebeten, sie von Bord zu lassen. Er habe sich nach Beratung mit, seinen Offizieren dann dazu entschlossen. Ungefähr 400 Meter vor der Insel habe er die „Blinden“ mit Schwimmwesten ausgerüstet und ein Floß zu Wasser gelassen.

Aussage gegen Aussage