Eine Untersuchung über moderne Massenmedien

Von Fritz Eberhard

Alphons Silbermann unter Mitwirkung von Abraham Moles und Gerold Ungeheuer: Bildschirm und Wirklichkeit. Über Presse und Fernsehen in Gegenwart und Zukunft. Ullstein Verlag, Berlin. 371 Seiten, 24 DM.

Dieses Buch zerfällt in zwei Teile. Der umfangreichere zweite Teil ist überschrieben: „Fernsehen im Jahre 1980.“ Wer umfassende Bildschirminformationen über die Wirklichkeit wünscht, fragt in der heutigen internationalen Lage in erster Linie: Wann wird es technisch möglich sein, daß zum Beispiel der einzelne Deutsche, der einzelne Russe, der einzelne Amerikaner nach seinem Belieben von einem russischen, amerikanischen oder deutschen Nachrichtensatelliten Bildinformationen unmittelbar empfängt, das heißt ohne Vermittlung und also auch ohne Zensurmöglichkeit durch eine Bodenstation seines Landes. Diese wichtige Frage behandeln die Verfasser, obgleich sie der Fernsehtechnik und ihrer Entwicklung über hundert Seiten widmen, leider nur recht nebenbei, in wenigen Sätzen. Aber sie sehen gelegentlich das Problem.

So lesen wir: „Daß die einzelnen Fernsehteilnehmer selbst direkt von einem Nachrichtensatelliten die Fernsehsignale empfangen, gehört sicherlich der Zukunft an.“ (Seite 322.) Etwas später: „Es läßt sich durchaus voraussehen, daß um das Jahr 1980 die Gesellschaft mit Rundfunkempfangsapparaten versorgt sein wird, die die Größe eines Armbandes haben. Dieser kleine Apparat wird es dem einzelnen erlauben, in Permanenz mit dem Universum der Nachrichten in Verbindung zu stehen.“ (Seite 346.) Aber, worauf es ankommt, nämlich die Möglichkeit der direkten Information aus vielfältigen Quellen, haben die Verfasser offensichtlich nicht recht erfaßt. Denn sie stellen sich vor, „daß im Jahre 1980 ein uniformierter Nachrichtendienst (im Original kursiv) alle Bewohner aller Länder erfassen wird.“ (Seite 355.)

Der „Fernsehstreit“

Eine Reihe interessanter Angaben über die technische Entwicklung und über die für die Zukunft des Fernsehens wichtige soziale Entwicklung ist leider versteckt in einer Unzahl anderer Statistiken und Vorschätzungen. Der Rezensent der „Welt“ stützte bei einem ganzseitigen Diagramm, das uns mitteilt, wieviel Normalwohnungen ‚Toilette ohne Spülung‘ haben“. (9. Juni 1966.) Auch andere Angaben gehören kaum zum Thema. Mir scheint es jedoch weit bedenklicher, daß gerade bei der Zusammenarbeit von Soziologen und einem technischen Fachmann jene politisch-soziologisch interessanteste technische Entwicklung, die zur wirklichen Informationsfreiheit führen könnte so zu kurz gekommen ist.