Und die Werbung?

Auch sonst finden sich in dem Buch allgemeine Behauptungen, die vielfach nur wenige Seiten später widerlegt werden. Nur zwei Behauptungen gehen durch das ganze Buch durch, die von der Vorzugswürdigkeit des kommerziellen Fernsehens und die vom wissenschaftlichen Charakter der Untersuchung.

Ein Kuriosum: In diesem Buch wurde "mit wissenschaftlicher Akribie" alles mögliche gemessen und bewertet, nur nicht der Umfang der Fernsehwerbung (um die doch schließlich der Streit zwischen öffentlich-rechtlichen Anstalten und Zeitungsverlegern in der Bundesrepublik in der Hauptsache geht). Gerade der immer wieder auf die Vorzüge des kommerziellen Fernsehens (also des durch Werbung finanzierten Fernsehens) hingewiesene Leser fühlt sich zur Spekulation über den Grund dieser Lücke der Untersuchung gedrängt. Würde sich bei Ausfüllung dieser Lücke etwa für das englische kommerzielle Fernsehen eine so starke "Überlegenheit" in bezug auf den Umfang der Werbung gegenüber den deutschen Fernsehprogrammen ergeben, daß der deutsche Fernsehteilnehmer erschrecken würde? Und vielleicht sogar die meisten deutschen Zeitungsverleger? Und würde nicht die oft als bedrohlich hingestellte Fernsehwerbung sich recht winzig ausnehmen, verglichen mit der Werbung in der Presse?

Verzichten wir darauf, über das "Verhaltensmuster" eines Soziologen und seine Ursachen zu spekulieren, der mit einem Buch über "Bildschirm und Wirklichkeit" das kommerzielle Fernsehen immer wieder empfiehlt, aber gerade den Umfang und die Rolle der Werbung, sowie die davon ausgehenden Wirkungen nicht behandelt.

Das Buch erscheint leider nicht geeignet, den Ruf wissenschaftlicher Arbeit zu festigen, die gerade auf diesem Gebiet dringend notwendig ist.