In einem Rheinhotel historischer Bedeutung verabschiedete sich der Bundesminister für Wissenschaftliche Forschung, Dr. Gerhard Stoltenberg, von seinem amerikanischen Zwei-Tage-Gast James Webb, dem Chef der NASA. Stichworte für den Farewell-Toast legte dem deutschen Gastgeber die eben zu Ende gehende astronautische Rekordjagd der Amerikaner in den Mund. Nur wenig später mußte der jüngste aus Ludwig Erhards Kabinettskollegium die Mitteilung verdauen, daß Ludger Westrick seinen Abschied genommen habe. In Bonner Kombinationen tauchte sein Name alsbald auf der Liste der möglichen Nachfolger auf – wie Stoltenberg schon vorher als eventueller Verteidigungsminister genannt worden war.

„Niemand, der dazu autorisiert wäre, hat mit mir über eine mir zugedachte neue Funktion im Kabinett gesprochen. Alle Spekulationen dieser Art stammen offensichtlich aus unkompetenten Kreisen.“

„Sie waren, Herr Minister, ein Mitglied des ,Streichquartetts‘ und hatten mithin die Aufgabe, am Etat Ihres eigenen Hauses herumzustreichen.“

Der Bundesminister für Wissenschaftliche Forschung gesteht nicht ohne Stolz, daß an seinem Haushalt nicht Hand angelegt zu werden brauchte, wenngleich er einige dringende Wünsche zurückstellen mußte. Sein Ressort gehöre zu den wenigen, die aufgestockt worden seien: „Im Haushaltsjahr 1966 wurde mein Etat um 28 Prozent erhöht, für das Jahr 1967 sind 21 Prozent vorgesehen. Ich hoffe, daß diese Progression für die nächsten Jahre beibehalten werden kann. Die Notwendigkeit, auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Forschung und der technischen Entwicklung den Anschluß an den Weltstandard zu finden, wird von niemandem ernsthaft bestritten. Im Augenblick bin ich besorgt über gewisse Erscheinungen bei der Wirtschaft. Ich hoffe aber, daß die Industrie, die seit 1954 ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung um das Achtfache angehoben hat, die gegenwärtigen Kapitalschwierigkeiten und Liquiditätsschwankungen nicht zum Anlaß nimmt, ihre Anstrengungen für Forschung und Entwicklung zu reduzieren. Das wäre gerade in der augenblicklichen Situation eine verfehlte Politik.“

Stoltenberg wirft weder der produzierenden Wirtschaft noch der konsumierenden Gesellschaft vor, daß sie sich in den ersten Nachkriegsjahren darauf konzentriert haben, das Leben der Menschen leichter und schöner zu machen. Es sei durchaus verständlich, daß man sich zunächst mehr für Kühlschränke als für Elektronenhirne interessiert habe. Nun müsse man aber einen höheren Preis dafür zahlen, um auf bisher vernachlässigten Gebieten den Anschluß zu finden Beispielsweise sieht er auf dem Gebiete der elektronischen Rechenanlagen einen solchen Nachholbedarf. Sein Ministerium bemühe sich, die deutsche Industrie zu verstärkten Anstrengungen anzuregen und dabei nach Kräften Hilfestellung zu geben. Nach seiner Bewertung der amerikanischen Kapitalinvasion befragt, meint Gerhard Stoltenberg, man sollte daneben nicht die Problematik der Lizenzabhängigkeit ver-

„Sie haben eben mit Amerikanern gesprochen, die mit den aufwendigsten Bemühungen der Vereinigten Staaten zu tun haben: mit der Weltraumfahrt. Ergibt sich bei solchen Gesprächen nicht eine Art von Goliath-David-Abstand?“

Die Amerikaner seien ebenso sachlich wie höflich. Der kühle Kieler bestreitet nicht, daß die USA und die UdSSR in der Weltraumfahrt einen Vorsprung erreicht haben, der für ein einzelnes Land nicht mehr einzuholen ist. Die wissenschaftliche Erforschung des Weltraums und die praktische Auswertung kosmischer Erkenntnisse sei aber eine so wichtige und vielfältige Aufgabe, daß jedes Land dazu sinnvolle Beiträge leisten könne. Gerade die Amerikaner seien um Zusammenarbeit mit anderen bemüht. Beim Besuch des NASA-Chefs seien die Überlegungen über bestimmte Projekte bilateraler Kooperation eine Runde weitergekommen. Bei künftigen deutsch-amerikanischen Satelliten und Sonden sollen die Amerikaner ihre Erfahrungen und ihren Bestand an Transportraketen einbringen und die Bundesrepublik für die restliche Ausrüstung sorgen.