Neun Zehntel unserer ganzen jetzigen Literatur haben keinen anderen Zweck, als dem Publiko einige Taler aus der Tasche zu spielen. Dazu haben sich Autor, Verleger und Rezensent fest verschworen. Arthur Schopenhauer

Walter Jens im Kreuzfeuer

Während Alexander Abusch in „Neues Deutschland“ gegen den Tübinger Professor Jens und „Die rote Rosa“ großes Geschütz auffuhr (Gerhard Zwerenz berichtet davon auf Seite 23/24), verpflichtete die einzige auch für westliche Vorstellungen von Journalismus interessante Zeitung der DDR, der allwöchentlich in Ostberlin erscheinende „Sonntag“, Professor Dr. Ernst Schumacher zu anderthalb Seiten „Polemik gegen Walter Jens und sein Fernsehspiel“. Schumacher schmückt seinen Artikel mit Zitaten aus Brehms Tierleben, in denen er Walter Jens dauernd mit einer Fledermaus vergleicht. Er unterscheidet sich aber auch dadurch von Abusch, daß er künstlerisches Gelingen des Stückes konstatiert: „Für eine dramatische Geschichtsdarstellung ... wurde eine dramaturgische Form der Veranschaulichung gefunden, die sehr fernsehgerecht war und die auch von der Regie sehr gut umgesetzt wurde.“ Freilich findet er, genau wie Abusch, die „ideologische Tendenz unter dem Niveau“, er billigt dem Stück eine Wirkung für seine Zuschauer in der Bundesrepublik zu, weil es „auf der herrschenden antikommunistischen Ideologie basiert“, die er an anderer Stelle, direkt auf Jens bezogen, auch einen „notorischen, hypochondrischen Antikommunismus“ nennt. Den Möglichkeiten mißzuverstehen sind heute in Deutschland keine Grenzen mehr gezogen.

Die Fliegenklatsche

Die Streit-Zeit-Schrift, unverwechselbar vor allem wegen ihres Formats (längliche 9,5X28,5 cm), die seit einiger Zeit selbst Streit hatte und sich in Schwierigkeiten befand, ist vorerst gerettet: Zur Buchmesse erscheint wieder ein Heft, das Jubiläumsheft zum zehnjährigen Bestehen dieser „Narrenpritsche“, der „Fliegenklatsche“, die V. O. Stomps, der in seinem Mäuseschloß im Taunus residierende Patron so manches jungen Talents und Nichttalents, 1956 ins Leben rief. 1960 hatte Stomps die Zeitschrift an die Frankfurter Europäische Verlagsanstalt abgegeben; jetzt erscheint sie im Münchner Scherz Verlag, dessen Geschäftsführer Rudolf Streit-Scherz sich vielleicht schon namenshalber zu der Schrift hingezogen fühlte. Herausgeber ist nach wie vor Horst Bingel; Thema des neuen Heftes: Literatur und Politik. Horst Bingel anläßlich der Wiedergeburt: „Eine Zeitschrift, die Sie Ihrem Gegner um die Ohren schlagen können, wenn Ihnen die Argumente ausgehen, eine solche Zeitschrift geht nicht unter.“

Kurze Filme, erste Filme

Oberhausen hat, um einen möglichst großen zeitlichen Abstand zu Mannheim zu gewinnen, sich entschlossen, die nächsten Kurzfilmtage nicht im Februar zu veranstalten. Die „XIII. Westdeutschen Kurzfilmtage“ finden vom 2. bis zum 8. April 1967 statt. Diese Tage sollen nunmehr wieder konsequent auf den Kurzfilm (bis zu einer Länge von 36 Minuten) beschränkt werden. Für Mannheim (XV. Internationale Filmwoche, 10. bis 15. Oktober 1966) sind über 300 Filme aus 25 Ländern gemeldet, unter anderem: „Die Wunder von Mailand“ von Strobel und Tichawsky, ein norditalienisches Gegenstück zu ihrem Film „Notabene Mezzogiorno“; ein Film über die Ermordung John F. Kennedys, nach dem Buch „Rush to Judgment“; der tschechoslowakische Film „Scharf beobachtete Züge“, ein Erstling von Jiri Menzel. Seit 1962 fördert Mannheim durch Wettbewerbe erste Filme junger Regisseure, die zunächst nur Dokumentarfilme gedreht haben.