Wasvor einem Jahr noch undenkbar schien, heute ist es Wirklichkeit: Es werden wieder Arbeitskräfte entlassen. Als Anfang Juli die Belegschaft des Bochumer Vereins gegen die geplante Entlassung von 100 Arbeitern protestierte, zuckte der Vorstand der Fried. Krupp Hüttenwerke AG noch zurück (ZEIT Nr. 29). Jetzt muß er über die Hälfte der 15 500 Beschäftigten für vier Wochen auf Kurzarbeit setzen und 1500 Arbeitern eine vorzeitige Pensionierung vorschlagen, weil nur noch vier von 15 Siemens-Martin-Öfen unter Feuer stehen.

Doch nicht nur an der Ruhr, aus allen Teilen der Bundesrepublik mehren sich die Nachrichten, daß der Druck auf dem Arbeitsmarkt schwindet. Die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung registrierte im August, daß der Kräftebedarf zwar immer noch fast 600 000 Arbeitskräfte betrug, die Zahl jedoch um 126 000 unter der Vorjahrszahl lag, während gleichzeitig 20 000 Arbeitslose mehr gezählt wurden (105 700). Sogar aus Baden-Württemberg wurde gemeldet, daß es erstmals seit 1963 weniger als 100 000 offene Stellen gibt. Und in Berlin mußte der Senat mit der beruhigenden Erklärung eingreifen, es werde nicht schwierig sein, die rund zweieinhalbtausend Arbeitskräfte unterzubringen, deren Entlassung bei verschiedenen Firmen – darunter AEG – angekündigt wurde.

So hart die Entlassung im Einzelfall sein mag, die Bewegung auf dem Arbeitsmarkt ist gesund; denn sie führt „gehortete“ Arbeitskräfte jenen Industriezweigen zu, die sie für ihr Wachstum benötigen. Bedrohlich ist die Entwicklung noch keineswegs: Die Arbeitslosenquote ist nur um ein Zehntel Prozent gestiegen, auf 0,5 Prozent.

hm