Schon als ehrwürdig kann die Firma Gebrüder Roeder AG, Darmstadt, bezeichnet werden. Denn sie existiert seit beinahe einhundert Jahren. Nun geht es dem Ende zu. Zum Jahresende werde man die Produktion einstellen, teilte der Vorstand in einem Aktionärsbrief mit. Für den Abbau der Belegschaft, gegenwärtig etwa 470, seien die vertraglichen Voraussetzungen geschaffen worden.

Erst in diesem Monat wird die Bilanz für 1965 fertiggestellt, die HV soll im November stattfinden. Ihr wird nichts anderes übrigbleiben, als eine Verlustanzeige entgegenzunehmen. Schon im Jahre 1964 wies das Unternehmen bei einem Kapital von etwas über 3 Millionen Mark einen Verlust von knapp 1,1 Millionen Mark aus.

Im letzten Jahr wurde im Zuge einer Reorganisation die Gießerei geschlossen, das Gießereigelände verkauft. Aber die Erwartungen auf einen steigenden Umsatz – er betrug 1964 nicht ganz 17,8 Millionen Mark – erfüllten sich nicht. Selbst unter Berücksichtigung des Buchgewinns aus dem Geländeverkauf mit ungefähr 1,3 Millionen Mark wird daher die Bilanz 1965, so gestand der Aktionärsbrief ein, „wieder einen empfindlichen Verlust“ ausweisen.

Die Entwicklung der Ofen- und Herdindustrie – auf diesem Gebiet ist die Gesellschaft hauptsächlich tätig – hat eben auch Gebrüder Roeder weitere Einbußen gebracht. Schon zog man die ersten Konsequenzen. Die Großküchenproduktion, ein jüngerer Zweig des Unternehmens, ist an die zur Buderus-Gruppe gehörende Burger Eisenwerke AG, Burg/Dillkreis, abgegeben worden. Die neue Muttergesellschaft hat als Vertriebsunternehmen die „Roeder-Großküchentechnik GmbH“, Darmstadt, ins Leben gerufen, damit wenigstens der Name Roeder als Tradition weiterexistiert.

Im Bereich der Öfen und Herde war man nicht so glücklich. Hier gibt es ohnehin eine Überproduktion, wer wollte da noch von Roeder ein Fabrikationswerk kaufen? Um eine rationelle Fertigung auf die Beine zu stellen, wären größere Neuinvestitionen notwendig gewesen. Es seien „viele Gespräche mit in- und ausländischen Unternehmen über Kooperationen“ geführt worden, heißt es lakonisch in dem Aktionärsbrief. Zu einem Ergebnis kam man offenbar nicht.

Es werden lediglich andere Firmen den Kunden- und Ersatzteildienst der auslaufenden Roeder-Produktion übernehmen. Die Aktionäre, die Mehrheit liegt bei der Familie Roeder, werden um eine Kapitalzusammenlegung nicht herumkommen. Es sollte möglich sein, beteuert der Vorstand, eine gewisse Substanz zu erhalten.

Vorerst wird die Roeder AG als Verwaltungsgesellschaft ihres Grundstücks bestehen bleiben, sobald man dafür Mieter gefunden hat. Sollte der mögliche Interessent kaufen, dann wird dieses Darmstädter Unternehmen, noch ehe es sein hundertjähriges Jubiläum begehen kann, liquidiert. bo