Ein Unglück kommt selten allein: Im nächsten Jahr werden die bundesdeutschen Autofahrer gleich von mehreren Seiten zur Kasse gebeten werden. Bundeswirtschaftsminister Schmücker ist alles andere als glücklich darüber, daß sein Haus als zuständige Preisbehörde den Segen dazu geben muß, daß die Tarife der Autohaftpflicht-Versicherung um 7,5 Prozent erhöht werden und Großstädter darauf noch einen Zuschlag von 5 Prozent zahlen sollen.

Auch das Streichquintett hat es auf die Autofahrer abgesehen. Die bisher von der Umsatzsteuer befreiten Hersteller und Großhändler von Benzin und Öl (Mineralölprivileg) sollen künftig zwei Prozent zahlen. Ob das auf den Preis durchschlägt, bleibt abzuwarten.

Der dickste Brocken ist jedoch die beabsichtigte Neuregelung der steuerlich als abzugsfähig anerkannten Kosten des Kraftwagens, der für die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzt wird. 600 bis 800 Millionen Mark Steuerausfall soll die jetzige Regelung den Fiskus kosten. Alle Steuerzahler, ob Arbeitnehmer oder Unternehmer, sollen künftig nur 10 Pfennig (statt 25) je Kilometer als Wegegeld absetzen können.

Kein Finanzamt, so sagen die Fachleute, sei aber in der Lage, bei den Selbständigen und Unternehmern nachzuprüfen, ob sie geschäftliche Autofahrten und diejenigen zwischen Wohnung und Büro korrekt abgrenzen. Und so sei zu vermuten, daß die geplante Änderung einseitig zu Lasten der Arbeitnehmer gehe. Damit erhebt sich allerdings die Frage, ob die Bundesregierung neben der Verärgerung von 6 Millionen autofahrenden Arbeitnehmern auch noch das Risiko eingehen sollte, eine zwar nicht dem Buchstaben nach, wohl aber in der Praxis verfassungswidrige Gesetzesänderung vorzuschlagen.

Selbst damit sind die Anschläge auf das Portemonnaie des Kraftfahrers noch nicht vollständig aufgezählt. Sollte es, wie vorgesehen, zum 1. Januar 1968 (zur Einführung der Mehrwertsteuer) kommen, dürfte Benzin um 3,5 bis 4 Pfennig je Liter teurer werden – je nach dem Steuersatz (10 oder 12 Prozent) mit dem Kraftstoffe belastet werden. Fürwahr, für den Kraftfahrer beginnen teure Zeiten. ehk