Von der XVIII. Frankfurter Buchmesse berichten Petra Kipphoff, Rudolf Walter Leonhardt und Dieter E. Zimmer

Die Eröffnung

Es sprachen auch der Vorsteher des Börsenvereins (Löbliches über den Buchhandel), auch der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Löbliches über Frankfurt), auch ein Börsenvereinsgast aus der Tschechoslowakei (fließend Latein und Deutsch) und ein Börsenvereinsgast aus Nigeria (nicht ganz so fließend Englisch). Es war wie schon siebzehnmal vorher. Die Sprecher wechseln, die Reden bleiben.

Aber von Anfang an waren alle Augen auf den einen gerichtet, alle Kameras auf den einen gezückt. Hände, die nicht geschüttelt werden konnten, klatschten doch wenigstens. Es sprach der Bundesaußenminister.

Mißlich muß es sein, gegen so viele Vorschußerwartungen anzureden. Gerhard Schröder gelang es. Er hielt die knappste, präziseste und dabei inhaltsreichste Messe-Eröffnungsrede seit alter Messegänger Gedenken.

„Sie werden es verstehen, ... daß ich zu Ihnen ... auch von Politik spreche. Ich gehe dabei aus von dem, was mir am nächsten liegt, nämlich den kulturellen Aufgaben des Auswärtigen Amtes...“

Die Frankfurter Buchmesse wurde dazu ausersehen, daß hier so klar wie nie zuvor gesagt wurde, was der verantwortliche Minister unter jener auswärtigen Kulturpolitik versteht, die gerade während der letzten Wochen wieder so heftig umstritten war. Seine Konzeption – der Staat kann nichts Besseres tun, als kulturellen Einflüssen Wege ebnen und Türen öffnen – erscheint uns im Ganzen richtig, in Einzelheiten fragwürdig. Wir werden uns noch damit auseinanderzusetzen haben.