Eine Buchmesse ohne Playboy-Party, ohne einen freundlich-tierischen Empfang mit den wandelnden Verlags-Signets des Hauses Penguin Books, ohne das Bündnerfleisch des Walter-Verlages...

Kein Wunder also, daß sich alle Hoffnung auf das Haus Rowohlt konzentrierte, das auf großem Plakat, auch als Eintrittskarte zu verwenden, ein De-Collage-Happening von und mit Wolf Vostell angekündigt hatte.

So strömt am 23. September um 20 Uhr auch eine beträchtliche Menschenmenge in das Studentenhaus in der Jügelstraße, man sieht den Begründer der deutschen Bibliothek, Professor Hans W. Eppelsheimer, das italienische Verlegerehepaar Feltrinelli, Reinhard Lettau, Robert Neumann, viele Gäste aus Ost und West. Alt und Jung versucht sodann brav, dem Verlagsleiter des Hauses Rowohlt, der den Eingang hütet, als eintrittswürdig zu erscheinen, einige Hundert begeben sich hoffnungsfroh in einen dunklen Saal, nachdem sie vorher ein nicht von Kritikerhand verrissenes Buch der Rowohlt-Produktion und ein Pappschild am Stiel in die Hand gedrückt bekommen haben.

Im Saal herrscht vielversprechendes Dunkel, durchzuckt von Lichtfetzen und dem gelegentlichen Dröhnen eines Lautsprechers. In der Mitte muß irgend etwas los sein, denn die Menge steht in Rundform und starrt. Man drängelt und starrt dann auch selber einmal: Aha, ein Eierkarton! Man versucht sich zu wundern, drängelt wieder ein bißchen zurück, aber so schnell gibt es nun nicht wieder etwas Neues. Erwartungsvoll wogen die weißen Pappschilder über den Köpfen der Menge hin und her. Man versäumt doch nichts? Inzwischen ist man im Dunkeln über einen jungen Mann gestolpert, der in einem aufblasbaren Kinder-Schwimmbassin am Boden liegt und mit Schaufeln Ruderbewegungen vollführt. Irgend jemand neben einem stolpert über eine Stacheldrahtrolle, und eine Dame weiß zu berichten, daß sie gerade in eine Schweinshaxe gegriffen hat. Der Lautsprecher ist inzwischen in seinem Programm wieder bei den Sätzen „Kernig – kornig – körnig“ und „Wasser ist naß“ angekommen. Man versäumt doch nichts?

Man verheddert sich in einem Lichtkabel und versucht, diesen Vorfall durch Überlegen für das Happening fruchtbar zu machen, aber es will nichts dabei herauskommen. Auch nach einer halben Stunde noch nicht. Dann allerdings ist man des Drängeins und Wartens müde und verläßt den Saal. Im Vorraum und auf den Treppenabsätzen stehen Menschen in Grüppchen, einige sprechen von Unverschämtheit und sind empört, und andere sehen nun manchen langweiligen Empfang in einem anderen Licht.

Wie unrecht sie alle taten, stellte sich erst später heraus, als nämlich Heinz Ledig-Rowohlt so laut, daß es jeder hören konnte, erklärte, es sei bei diesem Happening um Vietnam und um die Gefährdung unserer Welt gegangen. Aha.