Der kanadische Richter Wishart Spence, Chef der Untersuchungskommission, die Licht in die „Munsinger-Affäre“ bringen sollte, kritisierte scharf das Verhalten des ehemaligen konservativen Premierministers John Diefenbaker, der im Fall des spionageverdächtigen Playgirls aus München zugunsten seines stellvertretenden Verteidigungsministers Pierre Sevigny entschieden habe und nicht zugunsten der Nation.

Der Skandal war entstanden, als im März gegen Sevigny und Handelsminister Hees der Vorwurf erhoben wurde, sie hätten Ende der fünfziger Jahre mit Gerda Munsinger, die eine DDR-Agentin gewesen sei, intime Beziehungen gepflegt und die Staatssicherheit des Landes gefährdet.

Die Affäre, die mit dem Profumo-Keeler-Skandal in England verglichen wurde, veranlaßte John Diefenbaker zu der Bemerkung, es handele sich lediglich um eine „politische Hexenjagd“ und ein „schäbiges“ Unterfangen des jetzigen liberalen Premiers Lester Pearson, ihn zu vernichten.

Gerda Munsinger, die demnächst einen bayerischen Fabrikanten heiraten wird, will nur an der Person Sevignys, nicht an seinem Amt interessiert gewesen sein. „Mir tun die Leute in Kanada leid, die jetzt Schwierigkeiten haben.“