Von Will Tremper

Als ich meinen Film „Playgirl“ am Vorabend der letzten Berliner Filmfestspiele im ersten Haus am Kurfürstendamm uraufführte, stand ich ohne die Stars des Unternehmens da. Paul Hubschmid und Eva Renzi waren in einem anderen Film in London, Harald Leipnitz drehte in Prag, Umberto Orsini in Rom, mir fiel das Herz in die Hose. Aber Max Knapp, der Chef des durch seine glanzvollen Starpremieren berühmten „Gloria-Palastes“ an der Gedächtniskirche, beruhigte mich: „Wer will denn heute noch Stars auf der Bühne sehen, Mensch. Das ist was für den Gesundbrunnen, aber doch nicht mehr am Kurfürstendamm!“

In der Abenddämmerung hatte ich zwei Filmscheinwerfer vor dem Eingang des Kinopalastes aufbauen lassen, und im Nu drängten sich ein paar tausend Leute und behinderten den Verkehr auf dem Kudamm. Die vorn machten eine Gasse frei und stöhnten verzückt: „Oh! Ah!“, als die Smokings und Abendkleider auftauchten, die hinten, die nichts sehen konnten, schrien sich zu: „War das nicht eben der Hubschmid? Nein, das war der Leipnitz! Da, da kommt Willy Brandt! Quatsch, det is’ doch Rühmann

Alle kiekten sie mal, nahmen schnell ein Auge voll von dem Rummel mit und flanierten weiter; bis heute aber hat mich noch niemand davon überzeugen können, daß einer dieser Neugierigen, weil er das Gespenst von Hubschmid auf dem Trottoir leibhaftig wahrgenommen hatte, sich eine Kinokarte gekauft hätte.

Und ich erinnere mich gut an die Pleite, die mein Freund und Gönner Wenzel Lüdecke vor zwölf Jahren schon erlebte, als er seinen ersten Film („Herr über Leben und Tod“, nach einem schlechten Zuckmayer) mit dem einstigen 125 000-Mark-Star Maria Schell schmückte. Was ihm damals schon schmerzhaft klar wurde – wie sinnlos es ist, einen Film weitgehend der sogenannten Publikumswirksamkeit eines Stars anzuvertrauen – und ihn veranlaßte, daraufhin „Die Halbstarken“ mit weithin unbekannten Leuten, geschäftlich jedoch höchst erfolgreich zu produzieren – ist heute bezeichnenderweise immer noch Gegenstand ernsthafter Debatten in der verrotteten Industrie des deutschen Films.

All die alten Herren, die wie eh und je ihre Plänchen machen, an ungeheuren Projekten herumkurbeln, in deren Mittelpunkt ein sogenannter „Star“ steht, dem sie den Stoff, wie sie sagen, „maßgeschneidert“ auf den ranken Leib geschwatzt haben, alle diese dollen Filmedreher haben ihre Star-Pleiten mit diesem oder jenem Star-Projekt schon hinter sich – und alle lechzen sie danach, ein neues Wagnis einzugehen, eine Million oder mehr darauf zu setzen, daß auch heute gehen muß, was doch immer in der Geschichte des flimmernden Zelluloids gegangen ist, von Fritsch bis Fischer.

Aber nichts geht mehr.