Als Voltaire nach Potsdam kam (1750) und dort erlebte, daß man bei Hofe ausschließlich Französisch sprach, schrieb er einen Brief: „Deutsch verwendet man nur für die Soldaten und die Pferde!“ Und diese seine Wendung „... für die Pferde!“ gefiel ihm so gut, daß er sie in einem Brief an einen anderen Adressaten ein zweites Mal benutzte: „Sie werden hoffentlich nicht glauben, daß ich mich ernsthaft bemühe, Deutsch zu lernen. Ich beschränke mich“ wohlweislich darauf, nur soviel von dieser Sprache anzunehmen, als ich im Umgang mit meinen Dienern und meinen Pferden brauche.“

Voltaire-Forscher haben gefunden, daß sein bon mot eine fremde Feder war, eine Feder vom Hute Friedrichs des Großen. „Deutsch?“, so hatte der Preußen-König gesagt, „ist dazu geschaffen, sich den Tieren verständlich zu machen.“

Aber auch Fridericus hatte sein böses Wort nicht selbst erfunden. Es geht vielmehr auf jenen Herrscher zurück, in dessen Reich „die Sonne nicht unterging“. Karl V. sagte: „Will ich mit Gott sprechen, so tue ich es auf Spanisch, mit meiner Geliebten auf Italienisch, mit meinen Freunden auf Französisch, mit meinen Pferden auf Deutsch.“

Genießer werden zugeben, daß dies die hübscheste Variante des Themas „Deutsch und die Pferde“ ist! Vielleicht ist sie sogar das Original.

Die Soldaten einer revolutionären Armee, so sagte Mao Tse-tung, müßten sich im Volke bewegen wie Fische im Wasser. Das ist die berühmte Masche „Fisch-im-Wasser“-Theorie. Wer hätte jedoch gedacht, daß der unfehlbare Herr über das rote China sich ebenfalls nur mit einer Feder schmückte, die schon am Hute eines anderen Großen stak? Ein Leser des Pariser „Express“, ein in Marseille lebender Chinese, teilte mit: „Die ‚Fisch-im-Wasser-Theorie‘ hat den guten Kaiser Luu-pi zum Autor, der dieses Wort vor mehr als tausend Jahren prägte: als politisches Prinzip in dem Kriege, den er gegen die beiden Königreiche Ngug und Ngo führte. Mao ist also bloß ein simpler Wiederholer.“

So flattert manch geflügeltes Wort hin und her und schließlich zurück zu dem, der es vor langen Zeiten auf die Reise schickte. Ben Akiba darf seinen abgeleierten Satz „Alles schon dagewesen“ wiederholen, vorausgesetzt, dies bon mot ist wirklich von ihm.