Von Petra Kipphoff

Wenn das nicht wieder ein echtes Made in Germany ist! Der "Bericht der Bundesregierung über die Situation der Frauen in Beruf, Familie und Gesellschaft", seit langer Zeit erwartet und in der vergangenen Woche veröffentlicht, ist nicht irgendso ein dünnblättriges Heftchen, sondern 639 Seiten Quartformatseiten stark, ein stolzes Stück für die Bibliothek. Auf 307 Seiten Text und 332 Seiten Statistik wird Auskunft gegeben über die deutsche Frau, der Schluß liegt nahe, daß es sich bei ihr um ein besonders kompliziertes Wesen handeln muß, wenn man bedenkt, daß die Amerikaner ihre Frauen aus gleichem Anlaß ("Die amerikanische Frau" – Bericht der Sonderkommission von Präsident Kennedy, 1963) auf knapp 50 Seiten abgefertigt haben.

Das jetzt vorgelegte Kilo Frauenenquete hat eine fast vierjährige Entstehungsgeschichte. Im Dezember 1962 legte die SPD dem Bundestag einen ersten Antrag für eine umfassende Erhebung über die Situation der deutschen Frau in Beruf, Familie und Gesellschaft vor. Es wurde April 1963, bis die SPD-Abgeordnete Frau Strobel Gelegenheit erhielt, diesen Antrag im Bundestag zu begründen: Nicht um Frauenfragen und Frauenrecht gehe es, sondern darum, daß die Gesellschaft auf eine veränderte Situation, nämlich die sprunghaft angestiegene Berufstätigkeit der Frauen und die sich daraus ergebenden Folgen, sinnvoll reagiere.

Nach den Ergebnissen der Volks- und Berufszählung von 1961 (auf denen die jetzige Enquete weitgehend basiert) waren mehr als ein Drittel der weiblichen Bevölkerung der Bundesrepublik berufstätig, sie machten ihrerseits wiederum 37 Prozent der Gesamtzahl der berufstätigen Bevölkerung aus – aber, so führte Frau Strobel aus, "der Tatbestand, daß so viele Frauen berufstätig sind, ist in das öffentliche Bewußtsein entweder nur als ‚berufliche Notwendigkeit‘ oder auch als ‚Krise der Familie‘ eingegangen. Ich möchte sagen, kein Thema ist mit derart massiven Vorurteilen, Tabus und vermeintlichem Wissen von der Mission der Frau belastet wie jene Fragen, die die Stellung der Frau in unserer Gesellschaft betreffen."

Wie sehr die Frau hier selber ein Teil der mit massiven Vorurteilen und vermeintlichem Wissen agierenden Gesellschaft ist und wie deprimierend richtig diese Feststellung der Abgeordneten Strobel war, davon konnte sich der Bundestag, sofort an Ort und Stelle überzeugen. Die Worte von Frau Strobel waren noch kaum verklungen, da schleppte die CDU-Abgeordnete Frau Kalinke auch schon eilfertig die wohlbekannte frauliche Neigung zum Hüten, Pflegen und Bewahren einschränkend herbei, und Frau Kiep-Altenloh von der FDP sagte tadelnd: "Ich habe den Eindruck, bei Ihnen, Frau Strobel, fehlt das Leitbild der Frau."

Das Thema wurde dann dem Ausschuß für Familien- und Jugendfragen überwiesen. Es wurde Dezember 1964, bis der Bundestag sich aufraffte zu dem Auftrag an die Bundesregierung: "Die Bundesregierung wird ersucht, dem Deutschen Bundestag über die Situation der Frauen in Beruf, Familie und Gesellschaft umfassend zu berichten. Die Berichte der Bundesregierung sollen Vorschläge zur Verbesserung der Situation der Frauen in Beruf, Familie und Gesellschaft enthalten." Über hundert Referenten und Sachbearbeiter machten sich über die Frau her, anderthalb Jahre lang waren sie beschäftigt, und jetzt weiß man’s also ganz genau.

An erster Stelle: die Ehefrau