Vierzehn Tage danach weiß man noch immer nicht, warum das Unterseeboot „Hai“ gesunken ist. Eine Gutachterkommission der Marine und zwei zivile Werftingenieure – einer von den Kieler Howaldtswerken, wo das Boot in Dienst gestellt, und einer von Blohm & Voss in Hamburg, wo es umgebaut wurde – untersuchen das geborgene und nach Emden geschleppte Wrack. Verantwortlich für die Untersuchung ist die Staatsanwaltschaft; sie wird ihr Gutachten von lauter „Beteiligten“ erhalten. Das ist nun einmal so, und das läßt sich schwerlich ändern. Zu hoffen ist nur, daß die Staatsanwälte all jene „primitiven“, „laienhaften“ Fragen stellen werden, mit denen allein Licht in Expertenverwirrnis zu bringen ist.

Die Hoffnung ist vage. Die Staatsanwaltschaft hat bislang nicht den Eindruck vermeiden können, daß sie sich militärfromm gebärde. Anders jedenfalls ist die Tatsache, daß sie die Untersuchung zu einem Staatsgeheimnis macht, kaum zu erklären. Im Slalomstil wird von „sehr, sehr vorläufigen Zwischenergebnissen“ und von „groben Voruntersuchungen“ gesprochen; und in zwiefacher Verneinung heißt es, man habe keine Anhaltspunkte dafür, daß der Druckkörper des Unterseebootes nicht in Ordnung gewesen sei. Als die „Hai“ unterging, mag es Sicherheitsrisiken gegeben haben; jetzt, in den offiziellen Meldungen über die Untersuchung, wird jedes Wort doppelt und dreifach „abgesichert“.

Die Marine der Bundesrepublik, zum ersten Male mit einer Katastrophe (neunzehn Tote) konfrontiert, hat in ihren Informationen unsicher, unwillig, zuweilen auch unwissend gewirkt. Sie kann einiges wettmachen, wenn sie die Staatsanwaltschaft dazu drängt, die Öffentlichkeit genauer und besser zu unterrichten. Mögen ihr die juristischen Mittel fehlen, die moralische Macht dazu sollte sie haben. Es bleibt vor allem Sache der Marine, diese Katastrophe zu überwinden – indem man sie restlos aufklärt, und zwar schneller, als die Vermutung auftauchen könnte, hier würden Fehler oder gar ein Skandal vertuscht. rst.