Harold Rasch: Die Finanzierung des Wirtschaftswunders. Der Weg in die permanente Inflation. Seewald Verlag, Stuttgart 1966, 274 Seiten, 22,– DM.

Wirtschaftswunder und Inflation, das sind für Rasch siamesische Zwillinge, Begriffe, die untrennbar miteinander verbunden sind. Die Hauptschuld an der ständigen Geldentwertung gibt er der importierten Inflation, die durch die langjährigen Exportüberschüsse hervorgerufen wurde, und der Inflation „eigener Erzeugung“, verursacht durch die unsolide Haushaltspolitik und die „ungesunde“ Subventionswirtschaft. Bei seinen Angriffen vergißt Rasch aber, daß die Bundesrepublik gerade in der Zeit des Wiederaufbaus zu den Ländern in der Welt gehörte, die die stabilste Währung besaßen. Dieser Musterknabenrolle wurde sie erst untreu, als die Periode des Wirtschaftswunders sich ihrem Ende zuneigte. Von einer inflationistischen Finanzierung des Wiederaufbaus kann man daher kaum sprechen. Der Autor weist selber daraufhin, daß es eine absolute Stabilität des Preisniveaus nicht geben kann, ja das dieser Zustand nicht einmal erstrebenswert ist. Seiner Ansicht, daß das gegenwärtige Tempo des Kaufkraftschwundes zu hoch ist, wird natürlich jedermann zustimmen.

Es gibt noch zu wenig Bücher, deren Sprache auch dem interessierten Laien den Einblick in wirtschaftliche Zusammenhänge gestattet. Rasch versteht es, den richtigen Ton zu treffen. Aber ist es notwendig, solche pauschalen Vorwürfe einzuflechten, wie den, daß Großindustrie und Gewerkschaften gleichermaßen an einer permanenten Inflation interessiert sind? Die einen, weil sie ihre Schulden leichter zurückzahlen können, die anderen, weil sie Lohnforderungen leichter durchsetzen können und außerdem hoffen, daß das kapitalistische System langsam, aber sicher zerstört wird. Es gibt auch gute Gründe dagegen.

Als Diskussionsbeitrag sicher ein interessantes Buch, in der Hand des unkritischen Lesers kann es leicht falsche Vorstellungen hervorrufen.

mj.