Plant Lyndon Johnson für die Zeit nach den Kongreßwahlen im November eine Landung amerikanischer Divisionen in Nordvietnam?

Einen Tag nach der Friedensrede Goldbergs vor der UN – Vollversammlung schreckte die New York Herald Tribüne ihre Leser mit der Meldung, westliche Diplomaten in Saigon hielten eine solche Invasion durchaus für möglich.

Allerdings waren solche Gerüchte vor einigen Wochen schon einmal von US-Journalisten verbreitet worden, die sich auf Quellen im Pentagon beriefen. Darum ist es nicht ausgeschlossen, daß diese Spekulationen Teil eines psychologischen Krieges gegen Nordvietnam sein sollen.

Angeblich neigt die Mehrzahl der Stabsoffiziere im Pentagon zu der Ansicht, der Krieg könne rasch beendet werden, wenn zwei bis drei US-Divisionen nördlich des 17. Breitengrades an Land gehen, allerdings in genügendem Abstand von Hanoi und der chinesischen Grenze, damit China keinen Grund zum Eingreifen erhält. Als Landepunkte werden die Industriestädte Vinh und der Küstenort Ba Don genannt (siehe Karte), von wo aus die Nachschublinien nach Südvietnam und Laos ohne große Mühe abgeschnitten werden könnten.

Die US-Luftwaffe konzentrierte, in den letzten Tagen ihre Bombenangriffe in auffälliger Weise auf den sogenannten „Flaschenhals“ im Süden Nordvietnams und auf das Gebiet um die entmilitarisierte Zone am 17. Breitenkreis, durch die seit Monaten Truppen aus Nordvietnam nach Süden eingesickert sein sollen. 2,5 Millionen Flugblätter wurden über diesem Teil Nord Vietnams abgeworfen; auf ihnen wurden die Soldaten der Volksarmee zum Überlaufen aufgefordert.

Einige hohe Generale der USA befürchten freilich, daß die Truppen für eine Invasion oder auch nur für Kommando-Unternehmen à la Dieppe gar nicht verfügbar sein werden. „Wir haben schon hier unten Sorgen genug“, klagte einer der Kommandeure in Südvietnam.

Neben einer Invasion gäbe es noch andere Möglichkeiten, um den Einmarsch aus Nordvietnam aufzuhalten. US-Flugzeuge begannen bereits damit, hart südlich der Grenze Chemikalien über dem Dschungel abzuwerfen, damit die Blätter braun werden und verwelken. Aber diese „Entlaubung“, die den Vietcongnachschub bloßlegen soll, ist recht langwierig.

Seit 1958 wird der Plan studiert, längs der Demarkationslinie einen doppelten Stacheldrahtzaun zu ziehen, doch schrecken viele US-Kommandeure vor dem Gedanken zurück, ihre mobilen Kampftruppen im Stellungskrieg festzunageln. Weniger Bedenken hätten sie, wenn hauptsächlich Südvietnamesen, Australier und Südkoreaner die Pufferzone schützten.