Seit Wochen vergeht kein Tag, an dem sich nicht irgendein prominenter Politiker der Union beschwichtigend, mahnend oder drängend über den Zustand der Partei und der Regierung äußert. Die Union ist krisenbewußt geworden.

Da mahnt jetzt Minister Heck, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der CDU, seine Parteifreunde sollten nicht so tun, als sei „das Schiff leck geschlagen und treibe auf hoher See einem ungewissen Schicksal entgegen“. Erhard sei zwar kein Mann des schnellen Handelns, aber auch kein Mann des kurzen Blicks. Etwa zur selben Zeit aber meinte der Vorsitzende der rheinischen CDU, Konrad Grundmann, die „Zeit des Wartens“ sei vorbei. Wenn der Kanzler nicht schnell handle, mit anderen Worten: wenn es nicht bald zur Kabinettsreform komme, werde der „nächste Stoß, die nächste Krise“ ihn selber treffen.

Diese Warnung hat Gewicht, Denn in der rheinischen CDU – ebenso wie in einigen anderen Landesverbänden – wird der Plan erwogen, einen außerordentlichen CDU-Parteitag einzuberufen, auf dem auch die Kanzlerschaft Erhards zur Diskussion gestellt werden soll. Die Kabinettsreform ist zur entscheidenden Frage geworden. Kommt es nicht bald zur Reform, so muß der Kanzler um sein Amt fürchten. R. Z.