Hannover

Die allgemeine Finanzmisere hat auch Hannovers Haushalt mit erheblichen Mangelkrankheiten infiziert. Die Stadt leidet nicht nur unter der Ausdörrung des Kapitalmarkts, auf dem Darlehen zu erschwinglichen Preisen nicht zu haben sind. Zugleich sind im ordentlichen Etat auch dadurch Löcher entstanden, daß die Gewerbesteuereinnahmen um sieben Prozent gesunken sind, während sie in anderen Landstrichen noch munter klettern.

Der kühle Wind beginnender Armut umwehte die Hannoveraner schon mitten im Sommer. Ende Juni beschloß der Rat drei Tage vor der geplanten Grundsteinlegung für das neue Schauspielhaus, dieses 38-Millionen-Projekt einstweilen ungebaut zu lassen. Auch der bevorstehende Baubeginn für vier Schulen und der Plan, das letzte Loch der Innenstadttangente zu schließen, fielen dem Rotstift zum Opfer.

Inzwischen ist die Landeshauptstadt trauriger Besitzer mehrerer „Neubauruinen“ geworden. Neun Projekte wurden gestoppt, obwohl bereits, alles in allem, runde 30 Millionen in sie hineingesteckt worden waren: Ein modernes Sportbad, ein für 22 Millionen geplantes Fuhr- und Stadtreinigungsamt, die Erweiterung des Klärwerks und sechs wichtige Verkehrsbauwerke. Wenn dadurch auch rund 75 Millionen Mark gespart werden, so ist der Trost für den Kämmerer doch schwach: Die Ersparnis für 1966 beträgt weniger als acht Millionen, und sie wird noch um eineinhalb Millionen geschmälert, die zusätzlich als verlorene Kosten für die Stillegungen gezahlt werden müssen.

Stadtkämmerer Bernhard Ziegenbein wird es schwer haben, sein Kassenziel 1966 zu erreichen. 70 Millionen Mark Darlehen braucht er, um die noch übrigen Aufgaben im außerordentlichen Haushalt zu erfüllen. Davon hat er aber bisher noch nicht einmal 30 Millionen ergattert. Auf der Jagd nach den Millionen hat man in Hannovers Stadtkämmerei aber die kleinen Summen nicht vergessen. Dem Rat wurde in der vergangenen Woche eine Zusammenstellung mit 187 Positionen vorgelegt, die man als „Liste der kleinen Entbehrungen“ bezeichnen könnte.

Das Sprichwort, daß viele Wenig ein Viel machen, findet sich am Fuße dieser Liste bestätigt. Die Summe aller Kürzungen beträgt nämlich immerhin 30 Millionen Mark. Sie ergeben sich aus Einzelposten zwischen 20 000 Mark und 1,9 Millionen. Nur hinter einem Titel stehen 4 500 000 Mark. Er heißt „Darlehen zur Förderung des Wohnungsbaues“. Die entsprechenden Bundes- und Landesmittel sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und so werden auch weniger kommunale Gelder fällig.

Andere Einsparungen resultieren aus harmloseren Gründen. So werden, beispielsweise, in drei städtischen Krankenhäusern insgesamt 370 000 Mark für Lebensmittel eingespart. Natürlich nicht, weil dort Schmalhans als Küchenmeister engagiert worden wäre; sondern weil es weniger Patienten gab als erwartet; weil die Lebensmittelpreise geringer stiegen als befürchtet; weil viele Schwestern aus freien Stücken aus der Gemeinschaftsverpflegung schieden.