Rheinische CDU stellt Erhards Position zur Diskussion

Nach seiner Rückkehr aus den USA stehen Ludwig Erhard anscheinend schwere Wochen bevor. Teile der CDU wollen nicht länger auf die Kabinettsreform warten. Konrad Grundmann, der Vorsitzende der rheinischen CDU, Arbeitsminister in Düsseldorf, hat bereits am vorigen Donnerstag mit dem Kanzler eine „offene Sprache“ geführt und sogar mit einem außerordentlichen Parteitag gedroht. Einen Tag später wurde er deswegen im Deutschen Fernsehen befragt:

„Ist die Position des Bundeskanzlers selbst bei dieser Kabinettsumbildung unbestritten – nach Ihrer Ansicht und nach Ansicht der rheinischen CDU?“

Grundmann: Die Position des Bundeskanzlers hat zwei Phasen. Die erste ist die des Bundesparteivorsitzenden. Sie haben zu eingangs – obwohl ich das etwas lächelnd behandelt habe – zu Recht gefragt, ob wir unruhig sind. Man muß da sagen, in unseren Reihen ist Unruhe über den zukünftigen Weg. Ich habe gestern mit ihm z. B. eine Vereinbarung getroffen, daß er am 25. November – auf dem Parteitag der rheinischen CDU in Oberhausen, also mitten im Ruhrgebiet, bei dem wir stundenlang diskutieren werden, im Plenum vor Hunderten von Delegierten über die Frage unseres Weges – anwesend ist und daß er sich dort der Diskussion stellt. Das wird nicht leicht für ihn sein, und man wird ihn nicht schonen, man wird vieles über diese Phasenentwicklung sagen.

Frage: Heißt das, daß Sie bis zu diesem Zeitpunkt – nämlich bis zum 25. November – noch nicht mit der Regierungsumbildung rechnen?

Grundmann: Doch, ich glaube, daß bis dahin sich Erhebliches getan hat. Ihre Frage war nicht die der Regierungsbildung, sondern die der Position des Kanzlers. Ich glaube, man kann es nicht trennen. Der Kanzler steht mitten als Chef der Regierung in dieser Situation der Bundesregierung und der Bundespolitik. Eine ungewöhnlich schwierige Position schlechthin – denken Sie an den Amerika-Besuch und die Schwierigkeiten, die er dabei zu erwarten hat –, aber auch innenpolitisch mit vielen Fragen belastet, die geklärt werden müssen. Es geht auch um ihn, es geht um die Frage seiner Position, es geht um die Frage seines Ansehens in der Partei und, was noch wichtiger ist, in der Bevölkerung. Das weiß er, und das habe ich ihm gesagt.