Nach wie vor ziemlich wahllos an das Ende der großen Halle gedrückt, fristeten die Verlage aus dem östlicheren Deutschland in Frankfurt wieder ein offiziell nicht recht willkommenes Dasein.

Um so mehr verwunderte sich der Empfänger der freundlichen Druck-Karte, eingeladen zu sein in das modernste Frankfurter Hotel von nicht nur dem Bremer Schünemann-Verlag, sondern vor allem von Rütten & Loening, Ostberlin, sowie von Rütten + Loening, München.

Das war, als ob Zeiss-Jena und Zeiss-Heidenheim, statt gegeneinander zu prozessieren, gemeinsame Einladungen verschickten. Es kann also nicht einfach gewesen sein ...

Den Einladenden, wer immer sie gewesen sein mögen (denn Verlagsnamen kaschieren hier, wie so oft, einzelne, die sich etwas getraut haben), sei Dank. Sie wußten wohl, worauf sie sich einließen. „Desto mehr Anlaß aber haben wir, über politische und ideologische Barrieren hinweg die Begegnung, das Gespräch, den kulturellen Austausch zu suchen“ (Bundesaußenminister Schröder).

Zuerst sprach, sehr witzig, wenn auch nicht sehr tief schürfend, Hermann Kant (DDR) für die DDR; danach sprach, ohne jeden Witz, Christian Geißler (Bundesrepublik) – für die DDR, „Gratis-Mut“ hat das Hans Magnus Enzensberger einmal genannt.

Wir teilen nicht die Empörung einiger Gazetten, die gebannt starren auf das, was Ulbricht angeblich nützt. Wir bedauern nur, daß ein Austausch nicht stattfand.

Kant als erster Redner war sehr gut. Wie und aus welchen Gründen auch immer Geißler als zweiter bestellt wurde: die Chance eines deutschen Dialogs wurde damit vertan; es blieb am Ende ein denn doch unergiebiger Monolog.