Von Joachim Schwelien

Washington, im September

Selten haben wichtige Veränderungen im auswärtigen Dienst der USA so wenig Aufschluß darüber gegeben, was sie außerpolitisch bedeuten, wie die von Präsident Johnson auf einer Pressekonferenz aus dem Handgelenk mitgeteilte Ernennung von drei neuen Spitzenfunktionären im State Department.

Nicholas de Belleville Katzenbach kann trotz gelegentlicher Exkursionen in das Völkerrecht in der Außenpolitik nur als unbeschriebenes Blatt bezeichnet werden. Er wird jedoch unter dem „müden Buddha“ Dean Rusk künftig als stellvertretender Außenminister die verschlungenen Fäden der amerikanischen Weltpolitik und den Mammutapparat des State Department zu koordinieren haben.

Neuer Leiter der politischen Abteilung ist Staatssekretär Eugene Rostow. Sein Bruder Walt sitzt seit kurzem im Weißen Haus; er leitete bisher die Planungsabteilung im State Department. Er selber hat zwar als einer der wenigen Mitglieder der akademischen Gemeinde die Intervention Johnsons in der Dominikanischen Republik und das Eingreifen in Vietnam vorbehaltlos unterstützt und die Lauheit der amerikanischen NATO-Politik kritisiert. Aber auch er kann keine außenpolitische Praxis vorweisen.

Sein Vertreter Foy Kohler (bisher Botschafter in Moskau) ist ein altgedienter Berufsdiplomat. Als Inhaber des vierthöchsten Postens im State Department ist er in der Hierarchie dieses Ministeriums nun der Karrierebeamte mit dem hoch-, sten Rang. Kohler ist ein vollendeter Professioneller, kein Programmatiker – ein Mann, der Politik ausführt, mit absoluter Sachkunde und sicherem Urteil, aber ohne Talent und Neigung zur Inspiration.

Das Terzett läßt die amerikanische Außenpolitik vorerst um eine Spur unverbindlicher erscheinen als bisher. Welch ein Kontrast zu dem ausscheidenden Spitzenreiter, dem stellvertretenden Außenminister George Ball! Er war die Symbolfigur für die „Europe first“-Politik, für die Skepsis gegen das große Engagement in Vietnam, für den beharrlichen Kampf um den Weiterbestand der NATO und gegen die Erosionswirkungen de Gaulles.