Heiter sei die Kunst, meinte Schiller. Von solcher Heiterkeit war dieses Jahr in Frankfurt weniger zu merken als früher. Zwar füllte sich das Foyer des Hessischen Hofes noch immer mit bemerkenswert schönen Frauen aus aller Herren Ländern, und in Jimmys Bar war zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens wie eh und je kaum ein Platz zu kriegen, zwar gaben die großen Verlage, die etwas auf ihr Renommee halten, wie eh und je Partys und Empfänge, bei denen Hausmarken-Sekt und knapp dreijähriger Whisky in Strömen flossen – und dennoch war „nicht viel los“. Gehmer mal hin? Na, dann gehmer mal hin ...

Kein englischer Verleger lud Gäste auf einen Main-Dampfer, kein französischer ließ köstliche Speisen aus der Heimat der weltberühmtesten Küche einfliegen. Und auch das Bierfaß am Diogenes-Stand war verschwunden. Dieser Kongreß tanzte nicht.

Heinz Ledig-Rowohlt schlug keine Purzelbäume mehr in der Bar, und seine Generationskollegen unter den deutschen Verlegern, Joseph Caspar Witsch und Klaus Piper, lagen, von uns allen vermißt, in frankfurtfernen Hospitälern. Feltrinelli schaute düsterer drein denn je, da half auch Madames Minirock almost topless wenig.

Woran lag das alles wohl? Erklärungen, die wir gehört haben, seien unreflektiert weitergegeben: Generationswechsel, auch und gerade bei den Verlegern; streng kalkulierte Konsumgüter anstelle sich verschwendender Kunst; die Schatten von Vietnam ...