I.

Berlins Nachtleben, dessen Renommee sich brutal bedrängt sieht von den Vergnügungsokkasionen Schwabings, St. Paulis oder der Düsseldorfer Altstadt, kann den Monat mit satter Zufriedenheit beschließen. Wir haben nun, was weder Schwabing noch Sankt Pauli hat: Hier wurde in Sekt gebadet.

Selbst wer sich nächtlichem Amüsement ganz selten oder überhaupt gar nicht auszusetzen pflegt, wird neidlos einräumen müssen, daß eine solche Attraktion schwerlich zu überbieten ist. Das Champagnerbad im Playboy-Club am Kurfürstendamm hat jedenfalls für mitternächtliche „Sausen“ ganz neue Maßstäbe gesetzt, denn: Der Pegelstand jedweder Verlustierung wird nun nach der Höhe des Schaumweinspiegels gemessen, in dem sich die Lotterbuben tummeln.

Zur Sache: In der Nacht vom 6. zum 7. September forderte der amerikanische Schauspieler Richard West aus Beverly Hills (woher denn sonst?) den Barbesitzer Eden im Playboy-Club auf, doch einmal selbst in das Planschbecken zu steigen, das Eden in seinen Räumlichkeiten zur allgemeinen Benutzung aufgestellt hat.

„Ich pflege nur in Sekt zu baden“, antwortete Eden – und damit war es passiert.

Mister West goutierte die Badegewohnheiten des Club-Besitzers und ließ das Planschbecken mit Sekt füllen. Nachdem sechshundert Flaschen in das Bassin gesprudelt waren, stieg Eden hinein, jedoch nicht, ohne vorher von dem Herrn aus Beverley Hills einen Scheck in Höhe von 12 000 Deutschen Mark kassiert zu haben. Danach wurde der Teich den Damen des Hauses freigegeben. Soweit der nüchterne Tatbestand.

Wie man sich vorstellen kann, löste diese neuartige Variante nächtlicher Badefreuden in Berlin eine gesamtdeutsche Reaktion aus. Da „Neues Deutschland“ das Sektbad am Kurfürstendamm auf das heftigste rügte, sah sich der Chefkommentator des Senders Freies Berlin (Matthias Walden) veranlaßt, in einem Kommentar für die Badefreiheiten der freien Welt zu plädieren.