Kurdirektoren sind nüchterne Wirtschafts- und Konjunkturpolitiker geworden. Sie haben nichts von marilynischer Topographie, sondern setzen abstrakte ökonomische Bewegungen ins Bild. Hans Petersen aus Westerland gab am Ende der Saison Rechenschaftsberichte auch an ein gewisses Publikum im Fernsehen. Er sprach von Wachstum, von restriktiven Maßnahmen der Bundesbank, von strukturellen Veränderungen, und über allem lag die Verheißung der Stunde: Stabilisierung!

Bonns Hütern wirtschaftlicher Stabilität freilich hatte der Gesandte des friesischen Inselvolks eine Kleinigkeit voraus: Den Erfolg! Nicht nur von vergangener Preisstabilität konnte Petersen berichten; Westerlands Kurverwaltung, Hoteliers, Gastronomen und die Bundesbahn garantieren dem Pauschalreisenden auch für die kommende Winter- und Frühjahrssaison unveränderte Preise bei gleichen Leistungen. Bis Mitte 1967 gilt dieser selbstauferlegte Preisstopp (die Raten für Einzelreisende hingegen unterliegen dem freien Marktmechanismus, den Gesetzen von Angebot und Nachfrage).

Allerdings: Der Marktanteil pauschalierter Reisen nimmt ständig zu. Insgesamt verbuchte Westerland (17 000 Betten, ein Drittel der Gäste am Strand „ohne was“) gegenüber 1965 einen Besucherzuwachs von 6,7 Prozent (und ist damit erneut der einzige „Übernachtungsmillionär“ unter den deutschen Seebädern). Im selben Zeitraum stiegen die Pauschalreisen um 35 Prozent, überproportional also. Und das wiederum heißt: Jeder vierte Kurgast buchte vorfixierte Leistungen zu vorfixierten Kosten, gab demnach einer stabilen Urlaubskalkulation den Vorzug.

Der Schluß liegt nahe: Wer reist, rechnet wieder, jedenfalls wenn er nach Westerland reist. Des Kanzlers Maßhalte-Appelle scheinen in Westerlands Sand und karger Heide fruchtbaren Boden zu finden. Dies auch bestätigt der Rückgang der Besuchsfrequenzen bei den zahlreichen Jubel-Trubel-Heiterkeits-Veranstaltungen, wohingegen die Benutzung der Kurmittel im Vergleich zu 1965 um 18 bis 20 Prozent gestiegen ist. Die heilsame Schlickpackung triumphiert!

Kurdirektor Hans Petersen ist bemüht, die Preisstabilität für Pauschalarrangements als Instrument langfristiger Westerländer Konjunkturpolitik einzusetzen: Die unveränderten Raten für die kommende Winter- und Frühlingssaison sollen mehr Gäste als bisher einladen, das Inselstädtchen in den Monaten Oktober bis April zu besuchen, sollen einen Beitrag zur ganzjährigen Saison liefern. Nicht allein aus den „klassischen“ Einzugsgebieten Hamburg und Niedersachsen veranstaltet deshalb die Bundesbahn künftig verbilligte Pauschal-Sonderfahrten, Hummel und Scharnow wollen auch das Potential des Binnenlandes aktivieren: Pauschalreisen nach Westerland werden von ihnen ab Köln und Kassel angeboten. F.Sch.-O.