Von Werner A. Fischer

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels will nach Moskau, genauer: er beabsichtigt, wie jetzt in Frankfurt am Main bekannt wurde, 1968 in der sowjetischen Hauptstadt Bücher westdeutscher Verleger auszustellen. Bonn, so scheint es, hilft mit, den Plan in die Tat umzusetzen. Das Auswärtige Amt fördert beratend die zaghaften Schritte der Buchhändlervereinigung in Richtung Ost.

Der Februar dieses Jahres brachte dem Vorhaben des Börsenvereins, mit den Staaten des Ostblocks Buchkontakte zu knüpfen, einen ersten Erfolg, als 379 Verlage der Bundesrepublik in Prag eine Auswahl ihrer Buch-, Zeitschriften-, Schallplatten- und Kunstdruckproduktionen präsentieren konnten. Die Schau fand bemerkenswerte Beachtung; bis Ausstellungsende gingen über 1000 Buchbestellungen ein. Die Tschechoslowakei zog nach, indem sie im Juni Bücher aus der eigenen Produktion in Frankfurt am Main zeigte.

Dem ersten Schritt folgt jetzt ein zweiter. Im Oktober ist Bukarest „Austragungsort“ einer westdeutschen Buchausstellung. Man rechnet mit einem ähnlichen Echo wie in Prag, weil man weiß, daß die deutsche Sprache und das Interesse an deutschsprachigen Büchern unter den gebildeten Rumänen relativ weit verbreitet sind. Auch dieses Ostblockland, das gegenwärtig sehr intensiv von der Bundesrepublik umworben wird, gewährt, das ist schon sicher, eine Gegenleistung in Form einer rumänischen Buchausstellung, die Anfang kommenden Jahres in Frankfurt am Main stattfinden soll.

Drittes Ziel des Börsenvereins: Jugoslawien. Hier will man die Ausstellung jedoch nicht nur auf die Hauptstadt Belgrad beschränken, wo sie am 22. März 1967 eröffnet wird. Von Belgrad wandert sie weiter nach Skopje, dann nach Sarajewo, Ljubljana und schließlich nach Zagreb.

Viertes Ziel der Buchhändlervereinigung: Bulgarien. Vor wenigen Wochen forderte die Ausstellungs- und Messe-GmbH des Börsenvereins die westdeutschen Verlage auf, sich auch an der für Mai 1967 in Sofia vorgesehenen Buchausstellung zu beteiligen, die „einem großen Informationsbedürfnis in der bulgarischen Öffentlichkeit entgegenkommen“ soll. Nach einer Möglichkeit, sich über das neuere Angebot westdeutscher Verlage zu informieren, suchten vor allem Wissenschaftler, Studenten, Bibliothekare und Literaten.

Welche Bücher möchten die interessierten Bulgaren kennenlernen? Der Börsenverein empfiehlt seinen Mitgliedern: „Besonders umfassend sollen vertreten sein: Naturwissenschaften, Medizin, industrielle Technik, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften, Linguistik und Literaturwissenschaft.“ Als wichtig wird auch eine Auswahl der wesentlichen Autoren der deutschen Literatur der Vor- und Nachkriegsjahre genannt. Die bulgarische Nationalbibliothek in Sofia, die die Ausstellungsräume zur Verfügung stellt, darf übrigens nach Beendigung der Buchschau die gezeigte Kollektion behalten, in Prag war es ebenso. Das Auswärtige Amt hatte die ausgestellten Bücher bezahlt.

Auch die Bulgaren planen eine Gegenausstellung in Frankfurt am Main. Ob Moskau ebenfalls sowjetische Bücher in die Buchmessestadt am Main schickt, ist noch nicht bekannt.