Von Lutz Hoffmann

Auf Vorschlag des französischen Chirurgen Professor François de Gaudart d’Allaines nahm die französische Medizinische Akademie eine neue Definition des Begriffes „Tod“ an.

Bisher galt: „Tod ist das sichtbare Erlöschen des Lebens, das am Aussetzen von Herzschlag und Atmung zu erkennen ist.“

Die Verwendung von Beatmungsgeräten, Schrittmachern und Herzlungenmaschinen hebt diese Grenze auf. Bei einem Patienten, bei dem sowohl Atmung als auch Kreislauf künstlich aufrechterhalten werden, ist die Feststellung des eingetretenen Todes nach der klassischen Definition nicht mehr möglich.

Theoretisch könnten sich aus dieser Schwierigkeit strafrechtliche Tatbestände konstruieren lassen: Bei einem Patienten haben als Folge eines schweren Verkehrsunfalls Atmung und Kreislauf ausgesetzt. Wenige Minuten später kann jedoch in einer Klinik die Reanimation – die Wiederbelebung mit modernsten chirurgischen Geräten – eingeleitet werden. Nach einigen Stunden jedoch stirbt der Patient trotzdem. Dem Arzt kann ein Kunstfehler nachgewiesen werden.

Die Entscheidung, ob der Patient zum Zeitpunkt, da an ihm fahrlässig gehandelt wurde, schon tot war, läßt sich kaum treffen.

Oder anders: Ein Arzt, der die Sinnlosigkeit einer Reanimation zu erkennen glaubt und mit dem Abschalten des Beatmungsgeräts dem Leben des Patienten ein endgültiges Ende setzt, hätte er nicht eine Tötung begangen?