FÜR alle, die gern spannende Erzählungen lesen, zumal Kriminalgeschichten –

Joachim Maass: „Der Schnee von Nebraska“; Verlag Kurt Desch, München; 44 S., 12,– DM.

ES ENTHÄLT in betont feierlicher und trotzdem geschmackvoller Ausstattung – denn das Buch ist zum fünfundsechzigsten Geburtstag des Autors erschienen – die erstmals 1938 in der Neuen Rundschau gedruckte Erzählung, einen ausführlichen und liebevollen Essay von W. E. Süskind über Joachim Maass und ein (leider nicht sorgfältig bearbeitetes) Verzeichnis seiner Werke.

ES GEFÄLLT mir diese Geschichte außerordentlich unter anderem deshalb, weil sie so gut geschrieben ist, daß wir während der ersten Lektüre keine Zeit haben zu merken, wie gut sie geschrieben ist. Wer hat den Sohn eines angesehenen Arztes in einer amerikanischen Kleinstadt entführt und ermordet? Und was konnte den Täter zu dem Verbrechen veranlaßt haben? Um nichts anderes geht es hier als um die Aufdeckung eines Kriminalfalls, dessen Einzelheiten außergewöhnlich sind. Zum Vorschein kommen jedoch gewöhnliche menschliche Leiden: verletzter Ehrgeiz und Neid, panische Lebensangst und Melancholie, pathologischer Verfolgungswahn und Aggressivität. Süskind nennt Joachim Maass „den besten Sachwalter klassischer Erzählkunst in der Generation nach Thomas Mann“. Ein wenig übertrieben? Auf jeden Fall hat Maass von Thomas Mann nicht nur sehr viel gelernt, sondern sich auch des von ihm verehrten Meisters würdig erwiesen. Daß die Erzählkunst des Autors, dem wir den „Fall Gouffé“ verdanken und eben den „Schnee von Nebraska“, „klassisch“ in des Wortes bester Bedeutung ist, dessen bin ich sicher.

M. R.-R.