Zum erstenmal ist es einem Forscherteam im US-Staat Maine gelungen, Tiere zu züchten, die an erblicher Zuckerkrankheit leiden. Für Wissenschaftler, die an der Erforschung des Diabetes und seiner Bekämpfung arbeiten, ist diese Nachricht von größter Wichtigkeit, denn bislang fehlten ihnen Labor-Tiere, an denen sie die Zuckerkrankheit studieren und Chemikalien ausprobieren konnten, die dieses Leiden vielleicht kurieren können.

Aus dem Bericht, den die Doktoren Katherine Hummel, Margaret Dickte und Douglas Coleman in der Zeitschrift „Science“ (2. September) veröffentlichten, geht hervor, daß die Forscher gegenwärtig am Jackson Laboratorium einen Bestand von etwa 300 diabeteskranken Mäusen haben. Man hofft, die erbkranken Nager bald in so großer Zahl zu züchten, daß die Versuchslaboratorien der Universitäten und der pharmazeutischen Industrie damit beliefert werden können.

Damit eine Maus den Diabetes in ausgeprägter Form ererbt, muß sie die dafür verantwortlichen Gene von beiden Eltern erhalten. Nun sind aber zuckerkranke Mäuse unfruchtbar. Aus diesem Grunde gelingt ihre Züchtung nur mit einem Kunstgriff. Die Eierstöcke der diabetischen Mäuseweibchen werden in gesunde Tiere eingepflanzt, und diese werden dann mit männlichen Mäusen zur Paarung gebracht, die nur ein Diabetes-Gen besitzen und fortpflanzungsfähig sind. Die Hälfte der Nachkommen aus diesen Paarungen sind erblich doppelt belastet, also zuckerkrank, und von der anderen Hälfte lassen sich die Männchen – sie haben nur ein Diabetes tragendes Gen – zur weiteren Zucht verwenden.

Mäuse mit Diabetes werden anfangs sehr dick, später verlieren sie drastisch an Gewicht. Der Tod tritt nach drei bis sechs Lebensmonaten ein. Wie beim menschlichen Diabetes zeigt sich bei den Tieren eine besondere Empfindlichkeit gegen Streß, sie scheiden Zucker im Urin aus und es sind Veränderungen an den Langerhansschen Inseln der Bauchspeicheldrüse zu erkennen, den Produktionsstätten des Insulins.

Eine Behandlung mit Insulin führte bei einigen der kranken Mäuse zu einer Verlängerung ihrer Lebenszeit bis zu einem Jahr. Die Forscher hoffen, daß sich bei geeigneter Dosierung des Insulins die Lebenszeit der kranken Tiere noch weiter verlängern läßt, damit man die organischen Veränderungen beobachten und medikamentöse oder physikalische Langzeitbehandlungen erproben kann. -ow