Seit Beginn dieser Woche verkauft die gewerkschaftseigene Bank für Gemeinwirtschaft AG (BfG), Frankfurt/Main, sogenannte Sparschuldverschreibungen, eine für die Bundesrepublik neuartige Form der Anlage von Ersparnissen. Sie stellen ein Mittelding zwischen dem Kontensparen (Sparbuch) und der Anlage in festverzinslichen Wertpapieren dar. Angesprochen werden sollen nach der Absicht der Bank vor allem jene Bevölkerungskreise, die bisher aus Scheu vor dem Risiko vor dem Erwerb festverzinslicher Papiere zurückschreckten. Geworben wird also um den Groschen des „kleinen“ Mannes. Aber nicht nur für ihn, meine verehrten Leser, scheinen mir die neuen Papiere interessant zu sein. Wenn man sich die steuerlichen Gesichtspunkte ansieht, sind Sparschuldverschreibungen unter gewissen Umständen auch noch für andere Leute reizvoll.

Die Sparschuldverschreibungen der BfG haben eine Laufzeit von 10 Jahren und werden zum Nominalbetrag von 100, 200, 500 und 1000 Mark bei Ende der Laufzeit eingelöst. Ihre durchschnittliche Verzinsung beträgt während dieser Zeit 6 3/4 Prozent, die sich unter Berücksichtigung einer Bonifikation auf den Ausgabepreis für denjenigen Erwerber der Sparschuldverschreibung errechnet, der das Papier während seiner gesamten Laufzeit behält.

Im Gegensatz zu anderen festverzinslichen Wertpapieren werden die Zinsen nicht regelmäßig ausgezahlt, sondern dem „Kapital“ jährlich zugeschlagen. Um nach 10 Jahren 100 Mark ausgezahlt zu erhalten, brauchen jetzt nur 58,50 Mark eingezahlt werden. Durch die schon erwähnte Bonifikation verringert sich dieser Betrag um 6,50 auf 52 Mark. Sie ist eine Prämie für die langfristige Kapitalbindung und wird von der Bank nur für eine begrenzte Zeit gewährt, voraussichtlich bis Ende dieses Jahres. Bei einer Einlösung der Sparschuldverschreibung vor Beendigung der Laufzeit erfolgt die Rückrechnung der Bonifikation.

Die Einlösung erfolgt – wie schon gesagt – nach 10 Jahren zum Nennbeitrag. In unserem Beispiel also zu 100 Mark. Der in dieser Zeit entstandene Nutzen beträgt (unter Berücksichtigung der Bonifikation) 48 Mark. Es tritt also nahezu eine Verdoppelung des ursprünglich eingesetzten Geldes ein. Um die langfristige Bindung reizvoll zu machen, sind die Sparschuldverschreibungen mit einer während ihrer Laufzeit steigenden Verzinsung ausgestattet. Die Bonifikation eingerechnet beträgt der Zins in denersten 5 Jahren 6 Prozent, er erhöht sich in den beiden folgenden Jahren auf 6 1/2 Prozent, im 8. Jahr auf 7 und im 9. und 10. Jahr auf 7 1/2 Prozent.

Mit dem Erwerb der Sparschuldverschreibung ist die Möglichkeit verbunden, nach Ablauf von 5 Jahren eine zweite, auf den gleichen Nominalbetrag lautende Sparschuldverschreibung zu beziehen. Ihr Ausgabepreis von 74,70 Mark entspricht dem dann angewachsenen Wert der ersten Schuldverschreibung zum gleichen Zeitpunkt. Die Laufzeit der zweiten Sparschuldverschreibung beträgt nur 5 Jahre. Der Vorteil von Nr. 2 liegt darin, daß hier gleich der höhere Zinssatz zum Zuge kommt, der für die letzten 5 Jahre Laufzeit der ersten Sparschuldverschreibung maßgebend ist.

Wie bei jeder Vermögensanlage stellt sich auch hier die Frage nach der jederzeitigen Verwertbarkeit. Eine vorzeitige Einlösung der Sparschuldverschreibungen ist nach Ablauf des vierten Jahres möglich, wobei der Anleger den durch Zinsen und Zinseszinsen inzwischen angewachsenen Wert voll erhält. Er braucht also nicht – wie bei festverzinslichen Papieren – erst einen Käufer suchen, wenn er sein Geld zurückerstattet haben will. Von der jeweiligen Tendenz am Rentenmarkt ist der Besitzer der Sparschuldverschreibung unabhängig.

Aber was geschieht vor Beendigung des vierten Jahres? Die BfG verpflichtet sich, die Schuldverschreibungen in dieser Zeit in voller Höhe des jeweiligen Wertes zu beleihen., Die Zinsen dürften dabei allerdings aufgezehrt werden, wahrscheinlich sind die Kreditkosten sogar noch höher als der jährliche Nutzen. Daraus folgert, daß beim Erwerb der Sparschuldverschreibungen Klarheit darüber bestehen sollte, daß das angelegte Geld für vier Jahre nur in Notfällen verfügbar ist. Soweit zur Technik der neuen Sparform.