Zwei neue afrikanische Staaten werden in diesen Tagen in die Unabhängigkeit entlassen: Aus dem britischen Protektorat Betschuanaland wird am Freitag die Republik Botswana, aus dem Protektorat Basutoland am Dienstag das Königreich Lesotho. Beide Staaten sind wirtschaftlich von Südafrika abhängig, Botswana außerdem noch vom Regime der weißen Siedler in Rhodesien. Die Rhodesier haben bereits die Verwaltung der einzigen Bahnlinie übernommen, die Botswana mit der Außenwelt verbindet. Es ist fraglich, ob die BBC noch weiterhin ihren Sender in Francistown betreiben kann, der Propagandasendungen nach Rhodesien ausstrahlt.

Botswana muß im Kampf gegen die Apartheid neutral bleiben, will es nicht nationalen Selbstmord begehen. Der Präsident des Landes, Ex-König Sir Seretse Khama, praktiziert eine Politik der Rassenharmonie. Die viertausend Weißen haben die gleichen Rechte wie die halbe Million Afrikaner. Sir Seretse geht mit gutem Beispiel voran: Der Oxford-Schüler verlor 1950 seine Herrschaft über den Stamm der Bamangwato, weil er eine englische Stenotypistin geheiratet hatte. Wegen seiner Mischehe darf der Präsident den Boden des Nachbarstaates Südafrika nicht betreten.

Seinem Kollegen in Lesotho, Häuptling Jonathan, wurde immer die Ehre zuteil, als erster afrikanischer Staatsmann vom südafrikanischen Premierminister Verwoerd empfangen zu werden – wenige Tage vor dem Attentat von Kapstadt. Verwoerd war sogar bereit, den neuen Nachbarn etliche Bantustan-Reservate zu überlassen, falls Südafrika an ihrer wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben könnte.