F. R., Dortmund

Der erste Verhandlungstag im Dortmunder Bandenprozeß war schon nach dreiundneunzig Minuten zu Ende. Petras Dominas, Chef der erfolgreichsten Juwelenräuberbande Europas, war entschlossen, seinen Richtern das Leben so sauer wie möglich zu machen. Mit spitzfindigen Anträgen versuchte er sie gleich zu Beginn aus dem Sattel zu heben.

Ihm paßte das ganze Gericht nicht. Petras Dominas schmetterte in den überfüllten Gerichtssaal: „Ich lehne den Vorsitzenden, die Geschworenen und natürlich auch den Staatsanwalt ab; alle Leute über 45 Jahre. Ich habe Material über NS-Verbrechen gesammelt!“ „Einen solchen Antrag müssen Sie schriftlich vorlegen“, belehrte ihn Landgerichtsdirektor Kampelmann. Die Verhandlung wurde unterbrochen. Dominas fomulierte seine Anträge. Achtzig Minuten saß er da und kritzelte drei Blätter voll. Der 46 Jahre alte Vorsitzende und die beiden Beisitzer, die Landgerichtsräte Heinz Müller (44 Jahre) und Karl-Heinz Hugemann (33 Jahre) sollen angeblich Gestapoleute nicht angezeigt und Dominas vor den Angriffen der Presse nicht geschützt haben. „Außerdem war Herr Kampelmann sicher Mitglied der NSDAP.“ Die drei Anträge wegen Befangenheit des Gerichts wurden am nächsten Tag abgelehnt. Keiner der drei Richter war Mitglied der NSDAP, von Material über Gestapoleute war dem Gericht nichts bekannt, ein Schutz des Angeklagten vor Angriffen in der Presse ist wegen der in der Bundesrepublik garantierten Meinungsfreiheit nicht möglich. Der Landgerichtsdirektor behielt seinen Humor: „Passen Sie auf, Herr Dominas. Als Gymnasiast war ich Hitlerjunge, nach dem Abitur beim Arbeitsdienst und bei der Wehrmacht, als Student gehörte ich zu einer Uni-Kameradschaft und einer Studentenschaft. Das war meine politische Karriere.“ Aber Dominas hat noch weitere Anträge in petto.

Der eine fordert die Ablösung von Staatsanwalt Siegfried Schlösser. Er soll Dominas die ominöse Liste mit 180 Namen ehemaliger SD- und Gestapoleute gestohlen haben. Sogar Verteidigungsminister Strauß und Staatssekretär Hopf hätten darauf gestanden. Im übrigen habe der Staatsanwalt auf ihn einen Mordanschlag geplant. Doch die Staatsanwaltschaft, so verkündet der Richter nach einer Stunde, hat keine Veranlassung, ihren Anklagevertreter zurückzuziehen.

Damit ist die taktische Munition des Angeklagten vorerst verschossen. Die Richter können im Prozeß Dominas zur Sache kommen.