Die Fußballweltmeisterschaft – wie lange ist’s her? Drei Monate? Vier Monate? Mit wem waren wir in einer Gruppe? War das Argentinien oder Uruguay? So schnell vergißt man Brandaktuelles, sogar das ominöse dritte Tor. Nein, das wird wohl so schnell nicht vergessen! War’s drin? Ich habe den Ball jedenfalls drin gesehen.

Dem frohen Feste sind längst die sauren Wochen des Fußballalltags gefolgt. Bei Held läuft’s, bei Emmerich knallt’s nicht mehr; Beckenbauers Elf, Overaths Team, die Träne quillt, die Bundesliga hat sie wieder! Uns aber auch. Und darauf hat sich der Verleger verlassen: Er hat sein Sach’ nicht auf die temporäre Sensation gestellt und nannte sein Spiel: Bundesliga.

Seit gut und gern vierzig Jahren sind die Spiele-Erfinder dahinter her, diese volkstümliche Sportart zu einem Spiel zu verbraten. Nie gelang ihnen das Fußball-Spiel, auch – und gerade – wenn Experten sich darin versuchten (siehe ZEIT 23/65). Ist es diesmal gelungen?

"Spannende Kämpfe wie im Stadion!" verspricht das Titelblatt der zehn Seiten starken Spielregel. Das ist kein leeres Versprechen; das Spiel verläuft in der Tat aufregend und ist einfacher, als es die Schemata in der beigegebenen Broschüre vermuten lassen. Zwei Einfälle des (vom Verlag leider geheimgehaltenen) Autors sind es, die dies bewirken: Erst einmal bewegen sich Spieler und Ball in verschiedenen Ebenen, und dann ist da das Wahlkampf-Rouiett, dieses speziell: zwei Kugeln in einer kleinen durchsichtigen Dose mit Skala. Man schüttelt sie und erfährt, wieviel Felder der Ball entlang der weißen Felder und wie viele der Spieler auf den weißen Linien vorrücken darf.

Sperren ohne Ball, sonst eine Regelwidrigkeit, wird hier eine interessante Spielvariante. Auf dem, graphisch nicht eben aufregend gestalteten, Sportplatz kommt überhaupt alles vor, was ein Fußballerherz erfreut: intelligente Kombinationszüge, Dribbeln, saftige Torschüsse, Strafstöße, ja sogar Abseits; Einwurf und Ecken freilich so gut wie nie. Doch das liegt an der Spielregel. Sie sieht vor, daß sie "gemacht" und nicht "erzwungen" werden können, also nicht der Initiative des Angreifers, sondern jener des Verteidigers anheimgegeben sind – und der wird sich hüten. Aber das ließe sich leicht ändern.

Das andere Spiel nennt sich lapidar "Fußball" und spielt sich auch so. Hier wird Fußball derart abstrakt gespielt, daß der, der es betreibt, Parallelhandlungen, die ihm sein Gehirn infolge langjähriger Tribünenerfahrung assoziiert, verdrängen muß. Jede Spielphase geschieht gleichzeitig auf beiden Seiten, spiegelbildlich quasi, und so ereignet es sich beispielsweise, daß der Bombenschuß, den man aus fünf Metern Entfernung auf des Gegners Tor abfeuert – im eigenen Netz landet.

Fußball mit Karten: Die Idee ist originell und bekam in Brüssel auch prompt eine Silbermedaille. Man spielt es so: Vom Kartenpack erhält jeder Spieler sieben Blatt. Wer drankommt, nimmt noch eins und legt dann ab: verdeckt, wenn er nicht kann, wie er will, offen, wenn’s paßt. Es geht natürlich auch hier ganz zünftig zu und mit der Karte "Anstoß" los. Es folgen "Paß", "Schuß" und "Tor", es sei denn, die Gegenpartei spielt "abseits", "Kopfball" oder "Ball gehalten". Den weiteren Verlauf vermag sich so jeder leicht selber auszumalen.

Beide Spiele werden auf Zeit gespielt, zweimal eine Viertelstunde. Das ist bei "Bundesliga", besonders für Anfänger, ein bißchen kurz. Doch deuten die relativ kurze Zeit, die man für sie benötigt, und ein beigelegter Turnierplan schon an, wozu sich beide Spiele vorzüglich eignen: zu einem regen Spielbetrieb im Freundeskreis à la Bundesliga oder gar Europa-Cup. Eugen Oker