In Göttingen und anderswo: wenig Gründe, stolz zu sein

Professor Dr. Stimpel vertritt das Fach Bildungstheorie an der Pädagogischen Hochschule Göttingen

Wir hören es allenthalben: "Lehrer sind in einem modernen Industriestaat besonders wichtig." "Hohe Investitionen in die Lehrerbildung sind die beste Kapitalanlage." "Die größtmögliche Bildung und die qualifizierte Ausbildung aller Bürger sind nur durch eine hervorragend ausgestattete Lehrerbildung zu gewährleisten."

Ich hörte das auch in Schweden. Dort blieb man jedoch nicht bei solchen Feststellungen, sondern ließ ihnen Taten folgen. Allein für die Lehrerhochschule Malmö mit 935 Studenten ist ein Betrag veranschlagt, der (ohne Baumittel und Stipendien) weit höher ist als der entsprechende Etatstitel für über 7000 Studenten der acht niedersächsischen pädagogischen Hochschulen.

Für einen Studenten in Malmö wurden 21 476 Kronen (= 16 553 DM) ausgegeben. Die Vergleichszahl für deutsche Länder: 2500 DM (Niedersachsen 1888 DM).

An den meisten wissenschaftlichen Hochschulen in Niedersachsen ist seit 1950 die personelle Ausstattung immer mehr verbessert worden. Aber an den Pädagogischen Hochschulen verschlechterte sie sich um mehr als das Doppelte. Im Normalfall kommen auf einen Hochschullehrer fünf bis zehn Studenten. An den Pädagogischen Hochschulen Hannover, Braunschweig oder Göttingen aber sind es – wenn man die Assistenten mitzählt – 20 bis 25 Studenten. Nur in einigen Fachgebieten mit großer Studentenzahl gibt es an der Universität Göttingen ähnliche Mißverhältnisse.

Unvergleichlich schlecht steht es auch um die materielle Ausstattung der Pädagogischen Hochschulen. Die Studentenzahl nahm von 1960 bis 1965 um 65 % zu, die Zuwachsrate für die fortdauernden Ausgaben für Bücher-und Lehrmittel aber betrug nur 32 %.