Damit-sind die Pädagogischen Hochschulen in der Datierung dieser wichtigen Arbeitsgrundlagen an die letzte Stelle in der Bundertpublik zurückgefallen. Zählt man die einmaligen Ausgaben für verschiedene Materialien, Bücher und Einrichtungsgegenstände dazu, so wird der Unterschied noch größer; seit mehreren Jahren liegt die niedersächsische Lehrerbildung am Schluß. Für den gesamten Haushalt des Kultusministeriums ("Kulturetat") gilt das jedoch nicht: Mit über einer Milliarde DM gibt Niedersachsen mehr aus als andere Länder.

Sehen wir uns den Haushaltsplan an. Während man 1966 die fortdauernden Ausgaben für Bücher, Lehrmittel und weiteres Material der Pädagogischen Hochschulen unverändert niedrig ließ (praktisch bedeutete das eine weitere Verminderung), hat man sie für die anderen Hochschulen um insgesamt 2,75 Millionen DM erhöht. Das ist angemessen, und mit Recht wird die Verbesserung dieser Ansätze im niedersächsischen Haushaltsplan mit dem "unabweisbaren Bedarf" oder mit der "Erweiterung des Lehr- und Forschungsbetriebes" begründet. Aber: Solche Hinweise sucht man im Kapitel "Pädagogische Hochschulen" vergeblich. Verbesserungen dieses niedrigsten Etats aller deutschen Hochschulen mit einem vergleichbaren wissenschaftlichen Auftrag gibt es trotz der langjährigen Versäumnisse nicht.

Gleichzeitig werden in anderen Abschnitten des Haushaltsplanes größere Veränderungen sichtbar, zum Teil auch Kürzungen (etwa der Jugendhilfe und Jugendpflege, der Volksschule oder der politischen Bildung).

Die stärkste Erhöhung gewährte das Land Niedersachsen auf Grund des trotz der "Haushaltskrise" 1965 abgeschlossenen Staatsvertrages (Konkordat) der katholischen Kirche für ihre Diözesen, die Pfarrbesoldung und -Versorgung (9 231 000 DM = 573 %).

Die Folgen solcher Haushaltspolitik zeigen sich am deutlichsten an einem konkreten Beispiel. Die Pädagogische Hochschule Göttingen erfüllt die verantwortungsvolle Doppelaufgabe, sowohl Volksschul- als auch Realschullehrer auf ihren Beruf vorzubereiten und die entsprechende pädagogische Theorie zu entwickeln. Die Hochschulgebäude sind vor etwa zehn Jahren für 450 bis 600 Studenten errichtet worden. Aber die Studentenzahl beträgt inzwischen 1850. Ein Erweiterungsbau ist seit Jahren geplant. Doch Landesmittel werden hierfür nicht freigegeben.

Professoren arbeiten und prüfen mit ihren Assistenten zu zweit oder zu dritt in Einzelzimmern, einige im Kellergeschoß in Musikzellen oder in Garderobenräumen unter der Aula.

Für die Studenten gibt es kaum Aufenthaltsräume, in den Pausen drängen sich oft Hunderte in den Gängen oder in der Vorhalle zusammen. Da ist kaum noch ein Durchkommen.