Die Zahl der Teilnehmer an den Seminaren der Erziehungswissenschaften liegt oft auch in Übungen für Studenten älterer Semester zwischen 100 und 300 (die erwünschte Zahl ist 15 bis 30). Fast immer ist die gleiche frontale Sitzordnung notwendig, die von der Erziehungstheorie verworfen wird. Damit ist das Ende des ertragreichen wissenschaftlichen Gespräches gekommen.

Die Zahl der Prüfungen ist für einen Professor im Jahr auf 100 bis 200 gestiegen. Pausenlos laufen sie über Wochen und Monate hin. In dieser Zeit fallen viele Seminare und Vorlesungen aus oder werden von völlig erschöpften Dozenten durchgeführt. Sind diese Studienveranstaltungen schon durch die hohen Teilnehmerzahlen entwertet, so werden sie auch noch an Umfang und Dauer vermindert.

"Rationalisierung" könnte den Verlust an Produktivität und Qualität der Lehrerbildung wenigstens zum Teil ausgleichen. Aber der Mangel an modernem technischen Gerät ist unbeschreiblich. Viele Maschinen und Apparate, die überall zum selbstverständlichen Arbeitsinventar gehören, fehlen oder sind nur vereinzelt vorhanden. Manche Professoren haben in ihren Dienstzimmern nicht einmal ein Telephon. Für etwa 60 Professoren und Assistenten stehen zur Zeit zwei Schreibkräfte zur Verfügung.

Allen modernen Ansprüchen an Wissenschaft und Lehrerbildung spottet vor allem die Ausstattung mit Büchern und Lehrmitteln. Sowohl für die Hochschulbibliothek, die Seminarbüchereien, den Lesesaal, die Lehrmittel als auch für bestimmte Materialbeschaffungen stehen 1966 für zentrale Fachgebiete 1000 bis 2200 DM aus dem grundlegenden Titel 300 zur Verfügung, pro Student also 1,10 DM! Andere wissenschaftliche Hochschulen erhalten für einen Studenten 20- bis 150fache Beträge in den geisteswissenschaftlichen Fächern – und reichen nicht aus!

Diese Mittel, für 1850 künftige Real- und Volksschullehrer und ihre Professoren, Dozenten, Praktikumsleiter und Assistenten entsprechen kaum dem Privatetat eines einzigen Professors für seine Hausbücherei, wenn er nur annähernd auf dem Stand der modernen Wissenschaft bleiben will.

Die Pädagogischen Hochschulen können nur einen Bruchteil der wichtigsten Neuerscheinungen anschaffen und viele bedeutende Zeitschriften nicht halten, Standardwerke – wenn überhaupt – nur in einem Exemplar kaufen. Die Lehrerbildung bleibt ohne die Substanz wissenschaftlichen Erneuerung und fällt weit hinter die Entwicklung zurück. Es ist, als ob die Wissenschaft von jener Erziehung, die Schicksal und Zukunft der deutschen Gesellschaft entscheidend mitbestimmen soll, mit Groschenheften auskommen sollte.

Für künftige Lehrer sind Studienfahrten und Exkursionen besonders wichtig, sie bieten Anschauung und erweitern den geistigen Horizont. Niedersachsens Pädagogische Hochschulen haben als einzige keinen besonderen Etat hierfür (er ist mit anderen Ausgaben gekoppelt und nicht einmal in den Erläuterungen des Haushaltsplanes von der schulpraktischen Ausbildung unterschieden). Die Folge ist ein Minimalbetrag für die notwendigen Studienreisen. 1966 waren es in Göttingen DM 4,15 pro Student.