Hamburg literarisch / Von Petra Kipphoff, Rudolf Walter Leonhardt, Dieter E. Zimmer

Hamburg sei ja wohl eher auf Import-Exporteingestellt als auf Literatur, wurde von einem hohen Schwabinger Pegasus notiert, ein bißchen boshaft, aber wenig originell. Das Vorurteil will’s nun mal so, obwohl Hamburg heute nicht nur das zweifellos größte Verlagszentrum der Bundesrepublik ist, sobald man Zeitungsverlage mit einbezieht, sondern auch der Geburtsort von vier des Journalismus so wenig verdächtigen Schriftstellern wie Wolfgang Hildesheimer, Walter Jens, Hans Erich Nossack und Arno Schmidt.

Leider hatte offenbar niemand daran gedacht, diese vier Hamburger einzuladen, weil sie Hamburger sind (zwei von ihnen wurden in der sonst besseren "Süddeutschen Zeitung" als "importierte Prominente" bezeichnet – was also, wie so vieles in diesen Münchener Notizen, gleich doppelt falsch war). Dennoch wimmelten Buchhandlungen und Podien von Hamburger, Wahlhamburger und hamburgliebenden Schriftstellern, und wenigstens zeitweilig wimmelte auch die Halle F im Planten-un-Blomen-Park, nachdem die Polizei aufgehört hatte, wie am Eröffnungstage literaturfreundlichen Besuchern den Zugang zum Ausstellungsgelände zu verwehren, sofern sie nicht Eintrittskarten für die nebenan stattfindende Beat-Veranstaltung vorweisen konnten.

Die gemietete Halle war heuer dreimal so groß wie bei der Premiere im Vorjahr, und der Katalog verzeichnete sechzig Aussteller. Was an Intimität verlorenging, wurde an Luft gewonnen.

Wenn es im nächsten Jahr gelänge, auch die Intimität zurückzugewinnen durch etwas besser überlegte Innenarchitektur, könnte diese "kleine Buchmesse", die mit Frankfurt, weder konkurrieren kann noch will, für Norddeutschland ein angenehmer, einträglicher und dann schon beinahe traditioneller Teil des Weihnachtsbuchmarktes geworden sein. Und wer weiß es denn – der eine oder andere kommt dann womöglich sogar aus München angereist.

Wenn Literaten diskutieren

Nicht nur dadurch, daß die hier gezeigten Bücher verkäuflich sind, unterscheidet sich unser Hamburger Buch-Festival von der Frankfurter Messe, sondern auch durch die große Zahl der Rahmenveranstaltungen. Ihrer vierzig führte der offizielle Terminkalender diesmal auf: Lesungen, Vorträge, Diskussionen und Ausgefalleneres – Autoren mit ihren Lieblingsgetränken, Gedichte mit Gospelsongs, Bücher mit Hühnersuppe ("Koche froh mit rororo"). Die Hamburger, hatten sich die Veranstalter gedacht, müßten doch aus ihrer Reserve zu locken sein.