Gesellschaftlicher Höhepunkt wird der Festhält im Atlantic-Hotel sein, wußte der Norddeutsche Verleger- und Buchhändler-Verband bereits auf; der Einladung zu jenem gesellschaftlichen Höhepunkt zu prophezeien.

A propos Einladung: Die hellseherische Karte nannte sich sogar eine "persönliche Einladung", aber all diese Herzlichkeit bewahrte den Gast dennoch nicht davor, eine Eintrittskarte für immerhin dreißig Mark erwerben zu müssen. Wenn man annehmen darf, daß zu einem Ball vorzugsweise zwei Personen zusammen gehen, aber einer davon meist das Zahlen zukommt, so hat diese unglückselige Person, die nach gehabtem Eintritt vielleicht noch mit zwei schüchternen Losen (Stück 2,50 DM) und zwei einfachen Whiskys. (Stück 6,– DM) den Abend verschönen wollte, Trinkgelder nicht zu vergessen, bereits 80,– DM ausgegeben.

Übrigens: Ein wohl renommierter Hamburger Tennis- und Hockeyklub, dessen Mitglieder wohl kaum zu den Ärmsten der Armen zu rechnen-sind, gab wenige Tage später im gleichen Atlantic-Hotel einen Ball und forderte 10,– DM für den Eintritt (22,– DM mit Essen).

Für die Eingangs-Conference war eigentlich Werner Finck avisiert worden, die Hamburger nahmen statt seiner aber auch gern mit ihrem eigenen Bürgermeister vorlieb, der die Gelegenheit nutzte, ein besorgtes landesväterliches Wort zur großen Politik zu sprechen. Hamburg literarisch?

Den Damen war es eh egal, sie promenierten ihre langen Kleider, einige wenige auch ihre superkurzen; Jungbuchhändlerinnen taten sich im Los-Verkauf hervor, als gelte es das "Rote Kreuz", Herren standen Schlange, um die Lose in Gewinne umzutauschen.

Es gab, wer hätte das gedacht, vorwiegend Bücher. Der Chef des Hauses Bertelsmann konnte gar die komplette Reihe der Duden-Lexika unterm Arm davontragen.

Ob es eine Ballkönigin gab, weiß man nicht, aber König des Abends war gewiß Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, der ein exquisites burgunderfarbenes Samtjackett trug. Als er vor der in grünes, wehendes Chiffon gewandeten Joana Maria Gorvin das verlegerische Knie beugte, da hätte man meinen können, in Hamburg spiele das Theater schon wieder eine Rolle.

Übrigens: Es war wirklich ein wunderschöner Ball. Aber nicht, weil er literarisch war.