Verschenkt die Hausfrau die Chance, den Markt zu lenken?

Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Aber – die Frauen werden ja gar nicht gefragt. Wenn die Industrie beschlossen hat, dann haben sie keine Wahl mehr, dann bekommen sie beim Milchmann um die Ecke sowieso nichts anderes mehr." Das war die Antwort, die ein Ernährungswissenschaftler unlängst auf eine scheinbar kuriose Frage gab, nämlich: "Ist es möglich, Milch in Plasticsäcken statt in Glasflaschen zu verkaufen?" Technisch kein Problem, und billiger wäre es auch, doch ein Test hatte ergeben, daß Hausfrauen es nicht mögen, es sei "so schwabbelig". Nur – sie werden selten gefragt.

Ist sie, die Hausfrau, wirklich der Industrie und dem Handel so willkürlich ausgeliefert? Sie wird oft genug auf ihre Macht hingewiesen, drei Viertel des Volkseinkommens gehen durch ihre Hände, und bei jeder Preissteigerung für Butter, Milch oder Fleisch gellt der Ruf nach wirksamem Boykott durch die Hausfrauen. "Diese Kekse sind pro Viertelpfund 50 Pfennig teurer geworden", sagte mein Kaufmann neulich, "ich hab’ gedacht, nun werd’ ich sie nicht mehr los. Aber ich will Ihnen was sagen: die meisten von meinen Kundinnen haben es gar nicht gemerkt!"

Verschenkt die Hausfrau wirklich ihre Chance, den Markt einer Nation zu lenken?

Die Hausfrau – sie strahlt mütterlich von der Litfaßsäule und pustet auf ihren Kaffee, der ihr immer gelingt, weil sie Sorte Immerköstlich nimmt. Sie steht schlank und lächelnd auf ihrem Plakat-Rasen und umarmt korrekt ernährte Kinder, Gatten und Eltern. Sie hat Muße und wird mit allem fertig, hat die blendendste Wäsche und niemals Gastgeberinnensorgen. Und sie hat offenbar mit ihren lebendigen Geschlechts- und Zeitgenossinnen nicht das geringste zu tun, die (schockierend kalorienreiche) Schweinebauchund-Kohl-Eintöpfe vor sich hin kochen lassen, die graugesichtig vor Müdigkeit vorm Büro die Kinder (ein Viertel ohne Frühstück und ohne Schulbrot) noch in Kindergarten oder Schule bringen, die zwischen 17 und 18 Uhr durch volle Straßen in volle Geschäfte jagen und froh sind, wenn sie vorm Ladenschluß überhaupt noch Brot und Fleisch und Obst erwischt haben.

Umworben und gescholten